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Dark Dark Dark @ Privatclub, Berlin | 14.04.2012

17. April 2012

Und sie waren zurück in Berlin: Das Kammerfolk-Orchester von Dark Dark Dark. Nach ihrem Konzert vor gut zehn Monaten im Comet konnten wir gar nicht genug von ihnen bekommen. Ihre Scheibe „Wild Go“ drehte sich unzählbar oft im Player während die Band rund um den Globus immer mehr Fans für sich gewinnen konnte. Die Vorfreude war entsprechend groß auf ihren Auftritt im Kreuzberger Privatclub, der zu den gemütlichsten Konzertschuppen in Berlin zählt. Die Show war von vornherein ausverkauft, keine Chance also für Kurzentschlossene.

Wir bemerkten umgehend, dass die Band aus Minneapolis ein wichtiges Instrument – das Cello – zuhause gelassen hatte, und entsprechend auch ein Bandmitglied. Nona Marie Invie, die beim letzten Mal noch mit einer fetten Nerd-Brille am Klavier saß, präsentierte sich optisch offener, viel geredet wurde zwischen den Songs noch immer nicht. Sie spielen halt lieber als große Worte auszupacken. Kommunikation findet über die Lyrics statt und die haben es in sich.

Ein wenig holprig wirkte die Performance zu Beginn, was vielleicht an der Präsentation neuer Stücke lag. Und wenn man mal genau überlegt, haben Dark Dark Dark ganz schön viele neue Songs dargeboten, die mal mehr, mal weniger ins Herz trafen. Wenn sie von einem abprallten, vermisste man ein wenig die Leichtigkeit und einprägsamen Melodiebögen der alten Stücke. Oder vielleicht handelt es sich schlicht und einfach um Songs von der Sorte, die sich erst nach mehrmaligem Hören in die Magengrube bohren. Im Herbst will die Band wieder zurück sein, wenn das neue Werk eingespielt ist. Wir würden sagen: Das Gesamturteil wird dann gefällt.

Natürlich gab es auf dem Konzert genügend Glanzmomente: Oder wie oft sieht man eigentlich, dass jemand Akkordeon und Trompete gleichzeitig spielt? Applaus für Walt McClements! Und überhaupt wurde an diesem Konzertabend mal wieder klar, wie schön es ist, sich auf Musik fernab breitgetretener Pfade zu konzentrieren.

>> Zu allen Bildern von Dark Dark Dark im Privatclub

Dark Dark Dark im Internet:
Offizielle Homepage: www.brightbrightbright.com
Facebook: www.facebook.com/darkdarkdark

1 Kommentar

  1. Gudrun

    Dark Dark Dark gibt es als Band seit etwa 6 Jahren. Sie sind 2010 auf meinem musikalischen Horizont aufgetaucht und in meiner Plattensammlung mit 2 Scheiben vertreten: Wild Go (2010) und Snow Magic (2008). Ich schätze vor allem die Kombination von Fidel, Akkordeon und der spröden Frauenstimme und die Nachdenklichkeit, die nie in Sentimentalität umschlägt.

    Es war schon lange mein großer Wunsch, die Band live zu sehen, aber wir haben während ihrer Frühsommertour in Deutschland 2011 einfach nicht zusammengefunden.

    Als für März und April 2012 endlich neue Tourdaten feststanden, war ich doch sehr gespannt, ob es diesmal endlich klappt mit dem Liveerlebnis. Beim Abgleich der Tourdaten zeigte sich jedoch: es gab für mich eigentlich nur zwei winzige Chancen: Paris am 23. März (in Kombination mit einer geplanten Reise in Frankreich) und Frankfurt am 15. April als Station von einer Fahrt aus Norddeutschland zurück nach Karlsruhe (weil ausnahmsweise per Auto).

    Beides nicht wirklich optimal und mit erheblichem Organisationsaufwand, aber ich wollte versuchen, es möglich zu machen.

    Dass ich im März dann tatsächlich bei einem tollen Dark Dark Dark Konzert im wunderschönen Saal des Theaters der Cité Universitaire in Paris dabeisein konnte, verdanke ich vor allem der Hilfe von Oliver vom Konzerttagebuch, der die Fahne des besonderen Musik-Livererlebnisses in Paris hochhält. Er hat auch einen
    ausführlichen Konzertbericht über diesen Abend verfasst:

    http://meinzuhausemeinblog.blogspot.de/2012/03/dark-dark-dark-dom-paris-230312.html

    Prima Nebeneffekt war, dass wir uns persönlich getroffen und ein bißchen kennengelernt haben, nachdem wir über das Konzerttagebuch schon seit einiger Zeit in intensivem Gedankenaustausch standen.

    Mit diesem ganz besonderen Erlebnis hätte ich mich ganz sicher für die aktuelle Tour zufrieden gegeben.

    Aber dann flatterten mir nach dem Pariser Termin noch zwei Eintrittskarten für Frankfurt von Rockzoom ins Haus und ich nahm das als Wink des Schicksals auch
    die zweite Chance zu ergreifen.

    Die Brotfabrik in Frankfurt ist natürlich ein ganz anderer Auftrittsort im Vergleich zum gediegenen Theater in Paris. Ob sich das auch auf die Musik am Abend auswirken würde? Außerdem hat die Band nun weitere drei Wochen Konzerte in Europa und vor allem schon mehrere Termin in Deutschland absolviert. Ist sie nun besonders eingespielt, oder eher müde?

    In Berlin standen natürlich schon Leute für das Samstagskonzert in den Startlöchern, die in jedem Fall auch im Web berichten würden. Vom Markus kam sogar noch in der Nacht auf Sonntag eine kurze und sehr positive Rückmeldung zum Berliner Konzert. Somit war am Tag des Konzertes Vorfreude und Spannung bei mir auf hohem Niveau.

    Wir brachen pünktlich genug in Norddeutschland auf, dass wir den einen oder anderen Ferienendstau verkraften würden ohne den Konzertbeginn zu verpassen oder über diese Möglichkeit unterwegs ins Schwitzen zu geraten. Die Autobahnen waren zwar tatsächlich gut voll aber fast ohne Stockungen waren wir am Ende so pünktlich da, dass wir uns in Ruhe verfahren, Parkplatz suchen, Gelände erkunden, und noch etwas essen konnten und die Band die letzten Utensilien ins Haus tragen sahen…

    Schließlich ging es ganz pünktlich (juchu!) 20 Uhr mit GHOST OF A CHANCE als Support los. Zu diesem Zeitpunkt waren ungefähr 50 Leute versammelt. Obwohl die Junge mit Gitarre Nummer recht sympatisch war, war mir doch etwas zu wenig Abwechslung in den 30 min und ich war erst richtig zufrieden als 20:45 Uhr die fünf Musiker von Dark Dark Dark auf der Bühne erschienen. Ganz unprätentiös begannen sie ihr Set, das nur selten durch einige wenige Ansagen unterbrochen wurde. Die Band hörte aufeinander, lebte in ihrer Musik auf und war bestens eingespielt, aber das Publikum (inzwischen etwa 100 Leute) schien von der Band mehr als lauschender Gast wahrgenommen zu werden obwohl vom ersten Stück an jedes Stück vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht wurde.

    Es wurde ein Set gegeben, das sehr dem von Paris glich in seiner Mischung von bekannten Songs der beiden Alben und neuem Material. Dass keiner der Musiker eine Setlist hatte, erweckte bei mir den Eindruck, dass die Band sich an einen bewährten Ablauf hielt.

    Die Musik gruppierte sich sehr stark um Nona Maria Invie am Keyboard und den Mann am Akkordeon. Schlagzeug wurde sehr ausdrucksvoll und kunstvoll eingesetzt und der Bass spielte extrem zurückhaltend. Als fünfter Mann im Bund war der Mann „rechts außen“ an Klarinette und Banjo ebenfalls sehr dezent unterwegs.

    Nach 60 Minuten war zunächst leider schon alles vorbei, aber die Gruppe ließ sich noch zu 15 Minuten Zugaben überreden, die ich fast euphorisch nennen möchte – lauter musikalische Knaller wurden ausgepackt. Visueller Höhepunkt war sicher der Moment, wo Walt McClements gleichzeitig Trompete und Akkordeon spielte. So sieht Hingabe aus!

    Anschließend waren alle Bandmitglieder am Merchstand zu sprechen und erwiesen sich als unglaublich nette Jungs, die bereitwillig auf alle Fragen eine Antwort hatten sich aber anscheinend überhaupt nicht wichtig nehmen.

    Es ist schon irgendwie seltsam wie so eine Truppe von Nerds, die sich allen Regeln der Selbstvermarktung widersetzt mit einer Frontfrau, die sich nur linkisch zu ihrer eigenen Musik bewegt so mein Herz erobern konnte und mich wieder für einen Abend ganz und gar glücklich gemacht hat.

    Vielen Dank für die Tickets!

    #3859

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