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Dark Dark Dark @ Comet Club, Berlin | 30.06.2011

14. Juli 2011

Was für eine Perle! Und das möchten wir auch gleich vorwegnehmen. Dark Dark Dark sind das aufregendste, was wir in letzter Zeit gesehen haben: ein wertvoller Geheimtipp sozusagen. Fans von Arcade Fire dürften vor Freude aufschreien, zum einen weil Dark Dark Dark aus Minnesota an die nordamerika- nischen Kollegen erinnern, aber doch ihren eigenen Stil zelebrieren und deshalb ähnlich, aber doch ganz anders klingen. Sie spielen Musik, die tief geht, so herrlich tief.

Als die Band an diesem regnerischen Junitag die Bühne betrat, hatten sich im Comet schlussendlich etwa 150 Menschen eingefunden. Ganz entspannte zwölf Euro waren am Eingang fällig. Da kam sowas wie Genugtuung auf, weil zu vermuten war, dass heute Abend etwas Großes bevorstand und allein das im Mittelpunkt stehen sollte und nicht der rollende Rubel. Dark Dark Dark waren bisher noch nie in Berlin. Sie wirkten schüchtern, ein wenig weird, doch gleichzeitig genial. Leider vermasselten Rückkopplungen das Ende der ersten beiden Songs. Die Band stand mit schmerzverzehrtem Gesicht da, ein wenig ratlos sozusagen. Die Stimmung schien angespannt, da die Menschen, die heute Abend anwesend waren, größtenteils von der Band gehört hatten, ganz viel Gutes. Aber so richtig kannte man sie ja doch noch nicht. Man wollte sich nahekommen. Kam man sich auch, ab Song drei, wo sich Nervosität in Entspannung wandelte und das einsetzte, was man am treffendsten mit dem Wort Genuss beschreiben kann.

Die meisten Bandmitglieder von Dark Dark Dark sind Multiinstrumentalisten. Nona Marie Invie, die unverkennbare Sängerin, begann am Keyboard und schnallte sich wenig später das Akkordeon um. Marshall LaCount startete am Banjo, um wenig später in die Tasten zu hauen, Walt McClements am Akkordeon oder an der Trompete? Allein Cello, Gitarre und Schlagzeug waren reserviert und wurden nicht aus der Hand gegeben. Welch tolles Hör- und Schauspiel: ab der dritten Nummer. Nona Marie, mit ihren übergroßen, fein gestochenen Piercings und der großen Brille, war natürlich der Hingucker schlechthin, auch wenn sie eigentlich gar nicht viel machte außer Singen, Spielen und ab und an ein paar Witze „I have birds in my head“ reißen – leise ins Mikro gehaucht versteht sich. Diese Band braucht natürlich keinen Stimmungsmacher. Ihr perfekt inszenierter Kammermusik-Folk braucht vor allem ein achtungsvolles Publikum. Berlin konnte damit dienen. Die Menschen fanden das Treiben vor ihnen entzückend, waren zwischen den Songs entsprechend leise und klatschten am Ende jeder Nummer nicht überlaut aber in respektvollem Rhythmus, ab und zu flechteten sie ein paar liebevolle Zurufe ein. Man kam sich so ein bisschen wie im Wohnzimmer sitzend vor und wippte (oft zu mehrstimmigem Gesang) hin und her – der Rotwein schmeckte auch hervorragend.

Natürlich waren spannungsgela- dene und perfekt instrumentierte Songs wie „Bright Bright Bright“ oder „In Your Dreams“ absolute Hightlights, dennoch sind Dark Dark Dark eher als Gesamtkunstwerk einzuschätzen, wo es nicht gilt Songtitel aufzulisten. Es geht um eines der schönsten Zeitwörter schlechthin: genießen. Als wir nach Hause gingen, wussten wir, eine Band gesehen zu haben, aus der etwas ganz Großes werden könnte. Und wir waren ihnen so nahe, wie wir ihnen vielleicht nie wieder kommen werden.

>> Zu allen Bildern von Dark Dark Dark im Comet Club

Dark Dark Dark im Internet:
Offizielle Homepage: www.brightbrightbright.com
Facebook: www.facebook.com/darkdarkdark
Twitter: www.twitter.com/darkdarkdark
MySpace: www.myspace.com/darkdarkdarkband

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