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Dánjal @ Weltecho, Chemnitz | 15.03.2012

16. März 2012

Dánjal á Neystabø, Hauptakteur bei DÁNJAL, kommt von den Färöer Inseln. Aber hier gibt es keineswegs verklärte Nordländerhymnen zu hören, keine salzige See, nicht den Wind an den Klippen, kein Krächzen und Kacken der Möwen. Dánjal machen weltzugewandte Musik, nicht ohne Grund wurde ihr letztes Album „The Palace“ bei den Grammy Awards als Best World Album nominiert, obgleich der auch sehr wohl wortgewandte Dánjal es auf der Chemnitzer Bühne auch gern als „World Best Album“ bezeichnete.

Der sympathische Färinger hat auf der Tour im Zuge seines neuen Albums „The Bubble“ ein paar talentierte Musiker aus Finnland, Dänemark und Schweden um sich gescharrt und freute sich samt Band sichtlich über die vielen gut gelaunten Weltecho-Besucher an diesem Donnerstagabend. Der bunte Haufen mochte zwar optisch irgendwie gar nicht zusammenpassen: Ein Neo-Hippie mit langen Dreadlocks und Hut, der andere mit 50er-Jahre-Tolle, die anderen in Zwirn und Hut und die eine ohne Schuhe… Musikalisch haben wir es hier aber mit einem eingespielten Team zu tun: Klavier, Kontrabass, Mandoline, Drums und Klarinette bzw. Saxophon… Was kann dabei herauskommen? Naja, stellt euch mal Art Rock von Roine Stolt (die Stimme!) von den Flower Kings ohne die Blümchen vor, dafür aber mit einer gehörigen Note Drama und Gute-Laune-Klezmer. Stellt euch mal Tom Waits vor, ohne das Gebell, dafür aber mit einer ähnlichen Jahrmarkt-nach-Dunkelheit-Morbidität. Stellt euch mal Loyko aus Russland vor, ohne die bittersüße Tragik, dafür mit dem gleichen Roma-Drive, vor allem auf dem neuen Album. Da gibt’s nämlich zusätzlich zur Liveshow noch einen satten Streichersound, Cello hier und da und vor allem auf etlichen Stücken eine sehr präsente Fiedel, die dem Ganzen noch eine folkige Note verleiht…

Zwischen den Stücken wurde auf der Bühne reichlich erzählt von Hamstern und Töchtern, die den Hamster nach wenigen Wochen schon verschmähen und einen ratlosen Tierhaarallergiker-Daddy zurücklassen… Und vor allem wurde viel gelacht. Macht man ja auch gerne in einer vollen Bude wie dem Weltecho. Immerhin waren am Abend zuvor gerade mal 5 Zuschauer in Halle. Da ergibt sich dann einfach irgendwann das Klatschen, Stampfen, Tanzen und kollektive Fingerschnipsen im Takt, und ja, Singspiele ganz am Ende. Die kann man peinlich finden oder nicht, wenn aber eine gewisse Stimmung erreicht und der zweite Wein die Chemnitz heruntergespült wurde, kann es selbst in der reservierten Stadt mit dem Nischel zu frenetischem Gejohle kommen.

Doch bei all dem Enthusiasmus und der Lebensenergie, die in dieser Musik und der Livedarbeitung steckt; es gibt auch etliche leise Töne bei Dánjal. „Give Me“ ist da ein wunderschönes Beispiel: Das Stück besteht aus einer zaghaft verspielten Klarinettenmelodie, die so langsam das Leitmotiv des fast rein instrumentalen Songs aufbaut und von Kim Nyberg an der Mandoline – live immer wieder geheimnisvolle Blicke mit der füllig-frivolen Dame an der Klarinette austauschend – mit noch viel zaghafterem Gezupfe begleitet wird. Immer mehr Instrumente kommen hinzu, Bass und Drums schieben schon fast doomig ein ganzes Bläserbataillion vor sich her; es wird polyphon, exotisch und erhaben. Aus dem kleinen Rinnsal ist ein breiter, langsamer aber unaufhaltsamer Fluss geworden, und das passt auch ganz gut ins Bild: Die „The Bubble“ ist tiefgründig und weit, auch das weiß Dánjal á Neystabø auf der Bühne andächtig zu erklären, ich zitiere aber gleich mal wörtlich von der CD:

„I had been following the river for a long time, and slowly I was learning its language. When suddenly the river met the sea and left me standing with the sight of endlessness.

The river had spoken of the great ocean, and that when the time came we would have to part ways.

But I was never fully able to understand the meaning of this.“

Das ist so in etwa das Konzept, oder zumindest der gedankliche Ausgangspunkt des Albums. Es klingt wie ein Traum… Und es ist tröstlich, dass auch der Autor der Worte die Bedeutung nicht völlig versteht. Das Ende ist unklar, doch der Weg ist spannend, erhebend wie auch berührend, mit Freud‘ und Leid so eng beisammen…

Dánjal sind jetzt übrigens auf dem Weg in den Süden, zieht mit!

Mar 16: Nürnberg – Südpunkt
Mar 17: Konstanz – K9 Kulturzentrum
Mar 21: Heidelberg – DAI – Deutsch/Amerikanisches Institut
Mar 23: Karlsruhe – Tollhaus
Mar 24: Wiesbaden – Walhalla

Zur Galerie der Chemnitz-Bilder…

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