Suche

Cynic – Wieder da und besser denn je!?

11. Juli 2007
Cynic Reunion Header

Nachdem Atheist die vergangenen zwei Jahre wieder voll durchgestartet sind (Re-Releases aller drei Alben, die Veröffentlichung einer mittlerweile vergriffenen, heiß gesuchten LP-Sammlerbox und ein fulminanter Auftritt auf dem Wacken 2006) hat es auch Cynic wieder gepackt. Genau, Cynic, die Technical (Death) Metal-Heroen die vor genau 20 Jahren entstanden und nur kurze Zeit später nach Atheist ausstarben: 1994 war das Jahr, welches das vorläufige zynische Ende einleiten sollte. Damals hörte ich natürlich noch kein Metal. Ich hörte als junger Wildfang das Bächlein rauschen, Kinderlachen und Vogelgezwitscher, doch dies ist ein anderes Kapitel und hat mit Metal rein gar nichts am Hut…

Generell waren die frühen Neunziger keine guten Jahre für den Metal, denn viele junge Menschen entdeckten den Grunge für sich. Die wenigen, die Metal weiterhin hörten, hielten entweder die Fahnen klassischen Heavy Metal und des tuntigen Hair Metal hoch, widmeten sich dem neuen Geschwindigkeitsrausch des Speed Metal oder wollten um jeden Preis mit Thrash, Death und Black Metal, die sich alle etwa Mitte bis Ende der 80er Jahre entwickelten, möglichst extrem sein. Das ist natürlich eine recht einfache und mitunter abwertend klingende Reduktion, doch wer kümmerte sich damals schon um revolutionäre Klänge der härteren Art? Wie eben die von Atheist und Cynic, oder um noch ein paar mehr in dieser Reihe zu nennen: Sadus, ihre Fast-Namensvettern Sadist, späte Pestilence, Carcass im Endstadium, Meshuggah und die großen Death. Da letztere leider eines natürlichen Todes starben, Carcass sich zerstritten, Sadus ihren Plattenvertrag verloren, Pestilence ähnlich wie Cynic und Atheist wegen Erfolglosigkeit zugrunde gingen und Sadist sich dem Metalcore zuwandten, blieben nur Meshuggah, die sich über diese ganze Zeit recht passabel hinwegretten konnten. Der große Durchbruch kam jedoch nie so richtig, obwohl Alben wie „Destroy Erase Improve“, „Chaosphere“, „Nothing“ und „Catch 33“ durchaus ihre Beachtung fanden. Aber Helden des Metal? Zu abgefahren, zu „crank“, diese Musik bleibt wohl auf immer einem kleinen Hörerkreis vorbehalten…

Oder irre ich da? Denn mittlerweile schreiben wir 2007, man ist wesentlich offener für neue Klänge und knappe 15 Jahre nach diesem ersten Aufkeimen des technischen Metal ist die Zeit wohl nun endgültig reif. In Zwischenzeit haben sich nämlich mit The Dillinger Escape Plan, Necrophagist und Spiral Architect einen sehr guten Ruf erspielt, Namen wie Textures und Alarum sind auf dem Vormarsch.

Cynic - “Focus” (1993)Und während Atheist diese Chance sahen und noch einmal ihr „altes“, damals verkanntes Material ausschlachteten, entschieden sich zwar auch Cynic auf ihrer bis vergangenen Montag andauernden Eurotour hauptsächlich Material ihres einzigen Albums „Focus“ zu spielen, doch gab es auch eine Coverversion der Fusion-Ikonen vom Mahavishnu Orchestra, gemeint ist hier das Stück „Meeting of the Spirits“. Vergessen darf man aber nun nicht den eigentlichen Grund meines heutigen Schreibens, den neuen Song „Evolutionary Sleepers“! Denn ursprünglich wollte ich euch weder über die Geschichte des technischen Metal mit all ihren Bands noch über die Cynic-Reunion aufklären. Zumindest letzteres dürfte in Fachkreisen nämlich hinlänglich bekannt sein…

Von „Evolutionary Sleepers“ bin ich kurz gesagt sehr verzückt. Zumal uns hier ein YouTube-Video mit ziemlich guter Bild- und vor allem Soundqualität vorliegt, für YouTube-Livevideo-Verhältnisse eine absolute Ausnahme. Kein Wunder, es ist ja auch offiziell von der Band genehmigt und auch auf deren Myspace-Seite verlinkt (wo am Rande bemerkt auch viele weitere Videos von bekannten Cynic-Songs beherbergt sind). Dass Bands des technischen Metal auch gewisse qualitative Ansprüche an ihr Livematerial stellen, kann man daher wohl unerwähnt lassen. Doch das ist es nicht, was mich an dieses neue Stück fesselt: Es ist vielmehr ein völlig mit sich im Reinen befindlicher Paul Masvidal, der sich nach 14 Jahren Cynic-Abstinenz sichtlich wohlfühlt, dies dem Publikum auf dem Hovefestivalen im norwegischen Arendal auch mitteilt und erstaunlicherweise auch live seine unverwechselbaren Electro-Effekte zum Gesang mischen lässt. Doch finde ich auch, dass das Ganze eine gute Aeon Spoke-Schlagseite mitbekommen hat, vor allem was das Gefühl auf der Gesangsebene angeht. Aeon Spoke? Das ist die bisher sträflichst von der Öffentlichkeit missachtete Progressive Rock-Band, in welcher Masvidal seit Auflösung von Cynic das sechssaitige Zepter führt und dort auch seine wunderbare Klarstimme offenbart. Aeon Spoke haben übrigens im Mai wieder ein Album veröffentlicht, doch das nur am Rande, ihr wartet sicher alle schon extrem gespannt auf das YouTube-Video:

Der Fachkundige wird erkannt haben, dass hier leider kein Sean Malone auf der Bühne steht, „Focus“-Tieftöner und einer der wenigen Bassisten da draußen, die den Chapman Stick zu meistern wissen. Warum? Das kann ich euch leider nicht sagen, doch vielleicht gibt das folgende Interview darüber Auskunft, habe ich gerade entdeckt, aber noch nicht gelesen, man verzeihe es mir: http://www.vampire-magazine.com/article.php?aid=42833

Weitere Infos zur aktuellen Cynic-Besetzung, zu Zukunftsplänen und Hintergrundinformationen vergangener Tage findet ihr unter den folgenden Links, ansonsten bin ich natürlich auch für läuternde Kommentare sehr dankbar…

Links:
http://www.cynicalsphere.com/reunion.html
http://www.cynic.info.se/
http://www.myspace.com/cynicreunion

Keine Kommentare

  1. CYNIC mit neuem Song!!! – nach der Reunion endlich neues Material!…

    Nachdem Atheist die vergangenen zwei Jahre wieder voll durchgestartet sind (Re-Releases aller drei A…

    #75

Schreib einen Kommentar