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Coppelius @ Centrum, Erfurt | 07.03.2009

9. März 2009

Sie sind geboren für die Bühne, diese sechs Herren aus… ja, woher eigentlich? Das ist die falsche Frage, zumal uninteressant. Wann? DAS soll uns hier eher beschäftigen. Sie schimpfen ihre Musik „Kammer-Core“ und sich selbst Freunde von E.T.A. Hoffmann; der Name dieser Gruppierung entsprang gar seinen Werken: Coppelius… Dieser zwielichtige Advokat aus Hoffmanns schwarzromantischem „Der Sandmann“ – richtig, der kundige Leser weiß nun dass wir uns im angehenden 19. Jahrhundert befinden – ist inhaltlicher Nährboden, ein ums andere mal sogar mehr oder weniger direkte Textvorlage für die fulminanten Bühnenaktionen von Max Coppella und seinen Mitmusikern, die mit Cello und Kontrabass, zwei Klarinetten sowie kleinen Erfrischungen und japanischer Unterstützung am Schlagzeug die Bühnen seit nunmehr sieben Jahren mit gepflegten Ungepflogenheiten beehren.

Coppelius - 07.03.2009 #07 Bis dato waren Coppelius stets gern gesehene Gäste auf diversen Mittelalter- und Gotenfestivals, Bandwettbewerbsemporkömmlinge und Vorgruppe großer Namen wie den Inchtabokatables, Subway to Sally oder Uriah Heep. Dieses mal touren sie ganz allein. Und am 7. März sollten sie Station im Centrum Erfurt machen. Jene Stätte hatte ich von meinem letzten Besuch (Die Apokalyptischen Reiter letzten Oktober) als besonders engen, vollgestopften, heißen und recht schwierig auffindbaren Ort in Erinnerung, der, hat man ihn dann doch gefunden, durch zahlreiche Pfeiler behindert nicht überall einen guten Blick auf die Bühne zulässt… Doch meine Befürchtungen sollten sich schon bald zerschlagen, denn selbst eine halbe Stunde nach geplantem Beginn, es wurde mittlerweile 21:30 Uhr, war das Centrum nicht einmal zur Hälfte gefüllt, was mich ehrlich gesagt stark wunderte. Die Herren Coppelius sind den Erfurtern nun wahrlich keine Fremden mehr, kommen sie doch beinahe jedes Jahr in die beschauliche Landeshauptstadt zum gelungenen Aufspiel. Doch eben dieses mal, wie schon angedeutet, ganz allein und ohne Band von Welt. Na, wenigstens ein halbvoller Laden mit dem getreusten Auditorium als vor langen Gesichtern zu spielen, die eh nur auf die Hauptband des Abends warten…


Sehr nett haben sie es sich da oben auf der Bühne eingerichtet, ja doch. Diese Vorhänge zeugen von gutem Geschmack, ebenso die Bebilderung derer, wie auch die formschöne Zeitlosigkeit des garantiert auch jahrhundertewährenden Stuhls für den Graf Lindorf, der leicht exotisch, aber nicht zu obszön wirkende Teppich, auf dem dieser geruhsam und doch mit sicherem Stand platziert ist… Achja, und inmitten dieser vollendeten Gemütlichkeit ein alter, wenn auch wohl kaum dem 19. Jahrhundert entsprungener Volksempfänger, der da um ca. 21:45 Uhr endlich den Beginn eines verheißungsvollen Abends einleiten sollte. Der singende Diener Bastille erscheint, noch nicht singend, aber sichtlich darum bemüht, der wohlgeordneten Szenerie den letzten Schliff zu geben. Coppelius - 07.03.2009 #25 Unter großem Getös des Publikums begibt sich auch der Rest der Musiker an die Instrumente – übrigens sind das sehr kleidsame neue Röcke und vor allem vortreffliche Beinkleider! – und legt sogleich mit dem Stücke los, das für den Ensemble-Namen so bezeichnend ist: ‚Der Advokat‘ vom neuen, Ende Januar erschienenen zweiten Album „Tumult!“. Das „hochverehrte Auditorium“, wie der Herr Bastille immer zu sagen pflegt, feiert von vornherein zu recht die sich nicht undankbar zeigenden Musiker, die sich an jenem Abend bestens aufgelegt präsentieren…


…Jedoch, ein kleiner Wermutstropfen bleibt – ein wenig Absinth wäre allen lieber gewesen – denn ein bisschen wilder hatte ich sie doch noch vom Wave Gotik Treffen 2007 in Erinnerung: die Grimassen des Kontrabassisten Sissy Voß – eigentlich sonst immer mein großer Live-Favorit! – oder die Spritzigkeit des Dieners. Gerade wenn es zum vielen aber nötigen Nachstimmen der kammermusikalischen Instrumente kommt, zeigt sich Letzterer diesmal nur von bedingter Schlagfertigkeit, sucht oft lange nach Worten und Überleitungen. So muss man lange auf den noch länger angekündigten Witz warten ehe dieser dann doch irgendwann gen Ende noch angebracht („Was ist der Unterschied zwischen einem Sack Mehl und einer Klarinette?“) flugs vom zahlenden Gast Ben zunichte gemacht wird („Mehl arbeitet!“)… Worauf Bastille diesen vorlauten Strolch kurzum zur öffentlichen Schelte auf die Bühne beordert und die Pointe („Na versuch mal reinzupusten…“), schon eh halb verwüstet durch den Störenfried doch noch anführt und dafür zumindest Höflichkeitsapplaus erntet. Der Rest der Mannschaft ist derweil fertig mit dem Stimmen und geht dankenswerterweise zum nächsten Stück dieser wunderbar abwechslungsreichen Setliste über.

Coppelius - 07.03.2009 #28 Die Spielfreude der professionell agierenden aber nicht mechanisch-routiniert wirkenden Musiker macht die kleinen Pannen des Abends locker wett. Es handelt sich hier immerhin um Coppelius – ein perfekt eingespieltes Team, das sein Handwerk bestens versteht und durch bloße Kostümierung, Mimik, Gestik und freche Spielweise beste Unterhaltung in einzigartiger Weise bietet. Um nochmal auf die gespielten Lieder des Abends zurückzukommen: Als Highlights kann man gewiss die beiden Iron Maiden-Coversongs sowie die Glanzstücke des neuen Albums, ‚Schöne Augen‘, ‚Komposition‘ und ‚Spring doch!‘ anführen. Auch ‚Urinstinkt‘ vom Debütalbum feuerte das Publikum zu Höchstleistungen an. Einzig vermisst habe ich das eingängige Titelstück der vergangenen Langspielplatte… Doch egal ob nun rasant-schnelle Nummern mit einem Hauch von Punk, Kleinoden aus dem Lehrbuch der großen Harmonien oder gar unerwartet ruhige Stücke wie das in der Zugabe gespielte Soldatenlied, der genaue Name ist mir nicht bekannt: Coppelius lieferten einen souverän kurzweiligen Abend ab; genauso wie ich das erwartet habe. Nächstes mal dann aber hoffentlich vor verdientermaßen gefülltem Saal!


COPPELIUS-Setlist:

Coppelius - 07.03.2009 #30
01. Der Advokat
02. Schöne Augen
03. Lilienthal
04. Murders in the Rue Morgue
05. To my Creator
06. Habgier
07. Die Glocke
08. Coppelia
09. Viel zu viel
10. Urinstinkt
11. Komposition
12. Charlotte the Harlot
13. I’d rather be dead
14. Phantom of the Opera
15. Amulett
16. Spring doch!
17. I get used to it

18. Bandvorstellung / Ouvertüre
19. Soldatenlied

Außerdem beachte man, dass COPPELIUS ihre Konzertreise freilich fortsetzen werden. Der aktuelle Stand der Dinge spricht von folgenden Spielorten:

12.03.2009 (Do) Fulda – Kulturkeller
13.03.2009 (Fr) München – Spectaculum Mundi
14.03.2009 (Sa) Wien (A) – Szene
20.03.2009 (Fr) Köln – Werkstatt
21.03.2009 (Sa) Berlin – Kulturbrauerei (Palais)
27.03.2009 (Fr) Hameln – Sumpfblume
28.03.2009 (Sa) Stuttgart – LKA ( Konzert & „Habgier“ – Videopremiere )
03.04.2009 (Fr) Dresden – Reithalle Straße E – mit Letzte Instanz
04.04.2009 (Sa) Aschaffenburg – Colos Saal
11.04.2009 (Sa) Wilhelmshaven – Pumpwerk
17.04.2009 (Fr) Osnabrück – Lagerhalle
02.05.2009 (Sa) Nohfelden/Bostalsee – Hexentanzfestival
16.05.2009 (Sa) Hannover – Musikzentrum
20.06.2009 (Sa) Burg Abenberg – Feuertanzfestval
10.07.2009 (Fr) Flugplatz Ballenstedt/Harz – Rock Harz Festival
19.07.2009 (So) Cuxhaven – Deichbrand-Festival
28.08.2009 (Fr) Hamburg – Wutzrock Festival
11.09.2009 (Fr) Selb – Festival Mediaval

>> Offizielle Homepage: http://coppelius.eu

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