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Conor Oberst @ Postbahnhof, Berlin | 12.08.2014

15. August 2014

Conor Oberst @ Postbahnhof, Berlin - 12.08.2014Als Conor Oberst mit seiner Band Bright Eyes Ende des letzten Jahrtausends in Erscheinung trat, galt er schnell als das Wunderkind und Retter der Singer/Songwriter-Szene. Sein nerdy Außenseiter-Image, die feinfühlig-depressiven Texte und zarte Stimme, die sich immer wieder vor Wut überschlägt, katapultierte ihn dann spätestens mit seinem dritten Album „Fevers and Mirrors“ in die Indiecharts und Herzen. Bright Eyes sprachen einer gesamten Generation aus der Seele. Noch heute rühren die Songs zu Tränen, spenden Trost, regen zum Nachdenken an, machen wütend oder zaubern ein Lächeln ins Gesicht.

Nun pausiert das Projekt „Bright Eyes“ zwar gerade, doch tritt Mastermind Conor Oberst unter seinem Geburtsnamen auf. Ganz alleine bestreitet er seine Konzerte, wie auch am Dienstagabend im ausverkauften Berliner Postbahnhof, nicht. Denn dafür hat er sich die Haus- und Hoffreunde The Dawes als unterstützenden Support geholt. Eingefleischte Fans wissen, dass sich dahinter die Backing Band von Conor Oberst verbirgt und bejubelnd sie deshalb noch frenetischer als sie sonst wohl tun würden.

Pünktlich 22 Uhr betrat der 34-Jährige umzingelt seiner Kumpel in Hemd und Sacko die Bühne, schnappte sich seine Akustikgitarre und spielte die ersten drei Songs mehr in seine Welt versunken. Beim ersten Bright Eyes-Song des Abends, „We Are Nowhere and It’s Now“, löst er sich langsam und auch das altersmäßig bunt gemischte Publikum scheint nun endgültig bereit zu sein und hängt an seinen Lippen, lauscht seinen großen Texten. Um keinen Preis die beruhigende Atmosphäre stören ist die Devise. Songs wie „Hit The Switch“ oder „Danny Callahan“ profitieren davon.

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Conor Oberst ist heute sicherlich nicht mehr der extrem introvertierte Jungspund der 2000er. Er ist offener, kommuniziert mit seinem Publikum ohne aber gänzlich seine Distanz und kühle Art verloren zu haben. Alles andere würde wohl aber auch unglaubwürdig wirken. Ein besonders großer Gänsehaut-Moment ist so auch der Block im Mittelteil des Konzerts, als Conor Oberst ins blaue Licht gehüllt, erst dem verstorbenen Schauspieler Robin Williams huldigt und ihm dann „Ladder Song“ widmet. Wer bis zu diesem Moment noch den Bright Eyes-Sänger als Tröster vermisst, erhält diesen bei der fast schon gehauchten abschließenden Textzeile „You’re not alone in anything“.  Mit diesem traurig-schönen Gefühl geht es dann wieder in den bluesigeren und Southern Rock-Teil über und die fünf Freunde auf der Bühne rocken zu „Cape Canaveral“ oder „Desert Island Questionnaire“, bevor die wundervolle Ballade „Poison Oak“ ihren großen Moment erhält. Der exzessive und laut umjubelte Zugabenteil hält dann zwei Nummern von Conor Oberst und seinem Mystic Valley Band-Projekt parat („White Shoes“ und „Roosevelt Room“) sowie „Another Travellin‘ Song“ bereit.

Als die Show nach zwei Stunden zu Ende ist und das Licht im Postbahnhof wieder anging, endete auch eine wundervolle Zeitreise durch lange musikalische Geschichte Conor Obersts, der Bright Eyes, der eigenen Musikleidenschaft und durch viele Erinnerungen, ja, im Grunde einmal quer über die komplette persönliche Emotionspalette.

Es bleibt schließlich die Erkenntnis: Auch nach guten 20 Jahren im Geschäft versteht es Conor Oberst noch immer seine Zuhörer zu verzaubern und irgendwie auch den Traurigen die Welt zu erklären, sie akustisch in den Arm zu nehmen und einfach für sie da zu sein und das so als wäre er große, gelbe Vogel, den alle suchen … und in ihm auch finden.

Setlist vom Konzert im Postbahnhof

Time Forgot
Zigzagging Toward the Light
Hundreds of Ways
We Are Nowhere and It’s Now
Get-Well-Cards
Hit the Switch
Artifact #1
Old Soul Song (For the New World Order)
Danny Callahan
Ladder Song
Lover I Don’t Have to Love
Cape Canaveral
Governor’s Ball
Method Acting
Desert Island Questionnaire
Poison Oak
I Got the Reason #2

White Shoes
Another Travelin‘ Song
Roosevelt Room

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