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Coheed and Cambria und Oceansize @ Röhre Stuttgart | 16.04.2008

20. April 2008

Sie steht unter keinem guten Stern, die aktuelle Tour von Coheed And Cambria. Mehrere Konzerte mussten aufgrund der geringen Nachfrage in kleinere Hallen verlegt werden, so auch jenes am vergangenen Mittwoch in Stuttgart. Die ursprünglich im LKA angesetzte Show fand dort kurzerhand in der nur etwa halb so viele Besucher fassenden Röhre statt. Das sind natürlich alles andere als optimale Voraussetzungen für einen so ambitionierten Menschen wie Claudio Sanchez, Bandleader, Songwriter und Mastermind hinter den New Yorker Prog-Rockern. Man weiß im Moment nicht so wirklich, wohin der Weg dieser Band führen wird, immer mehr Fans aus den Anfangsjahren verabschieden sich ob des verloren gegangenen, rauen Charmes des Debütalbums, und die, die neu hinzukommen, tun sich schwer einen Zugang zu der komplexen Science-Fiction-Saga zu finden, welche Sanchez auf jedem der bisher vier Konzeptalben weiterstrickt.

Oceansize - 16.04.2008 #11 Zuerst einmal dürfen aber OCEANSIZE ran, die bereits vor drei Monaten auf ihrer Solo-Tour in der Röhre Halt gemacht haben. Auch heute wissen die Briten mit ihrem mächtigen Sound zu begeistern und spielen sich durch ein sehr kurzweiliges, 40-minütiges Set, welches seinen Abschluss im hymnischen, von seiner Laut/Leise-Dynamik lebenden „Ornament/The Last Wrongs“ findet. Ein mehr als würdiger Support.

Hinter Schlagzeuger Chris Pennie, der bis vor kurzem noch bei The Dillinger Escape Plan spielte, prangt eine riesige, mechanische Libelle, das Logo der Band. Ansonsten ist die Bühne erstaunlich spartanisch eingerichtet als COHEED AND CAMBRIA die selbige betreten, hatte man dort doch auf der letzten Tour noch eine aufwändige Lichtanlage installiert. Dafür stehen neben einem Keyboarder auch zwei blonde, in schicke Abendkleider gehüllte Background-Sängerinnen auf der Bühne, die allerdings im Laufe des Abends des Öfteren die Töne nicht so richtig treffen sollten.

Nach zwei Stücken vom aktuellen Album erwartet die Zuschauer dann mit „Delirium Trigger“, der Song, mit dem die damals noch beinahe unbekannten Newcomer vor gut sechs Jahren auf dem Equal Vision-Labelsampler vertreten waren, das erste Highlight des Abends. In den folgenden rund 60 Minuten spielt die Band dann sämtliche Hits, man findet nicht einen einzigen schwachen Song im Set. Besondere Freude bereitet ein Medley aus zwei Stücken ihres Debütalbums und einem Cover von Iron Maidens „The Trooper“.Coheed and Cambria - 16.04.2008 #19 Die Musiker haben sichtlich gute Laune, Claudio tänzelte bei seinen Solo-Parts immer wieder hochkonzentriert über die Bühne und die Backgroundsängerinnen erhalten regelmäßig lautstarke Unterstützung aus dem Publikum. Den vorläufigen Abschluss bildet dann schließlich das epische „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ vom gleichnamigen, wahrscheinlich besten Album der Band.

Doch wer Coheed And Cambria schon einmal live gesehen hat, der weiß, was ihn noch erwartet. Die letzte Zugabe, „The Final Cut“, auf dem Album gerade einmal sechs Minuten lang, wird zur knapp halbstündigen Jam-Session ausgedehnt, einschließlich Theremin- und Schlagzeug-Solo. Das mag dem ein oder anderen etwas zu viel des Guten sein, andererseits macht es aber auch einfach unglaublich viel Spaß, diesen begnadeten Musikern bei der Arbeit zuzuschauen.

Nach einer kurzen US-Tour mit Baroness geht es dann für Coheed And Cambria in wenigen Wochen schon wieder zurück nach Europa, wo im Sommer eine Vielzahl von Festivalauftritten anstehen. In Deutschland werden sie dabei außer bei Rock am Ring und Rock im Park auch auf dem eintägigen Vainstream-Festival in Münster zu sehen sein.

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» Offizielle Seite von Oceansize: oceansize.co.uk
» Oceansize bei MySpace: myspace.com/oceansizeuk

Text: Peter Fischer
Fotos: Michael Gebhardt

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