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CAIN’S DINASTY: „Legacy Of Blood“

28. November 2008

CAIN’S DINASTY – noch nie gehört. Power Metal aus Alicante? Könnte anstrengend werden. Doch weit gefehlt. „Legacy Of Blood“, das Debüt-Album dieser erst seit zwei Jahren bestehenden spanischen Band entpuppt sich als eine der größten Überraschungen der letzten Monate. Zugegeben: Man ist schneller beeindruckt, wenn man völlig ohne Erwartungen an eine Scheibe heran geht. Zumal das kitschige Gothic-Vampir-Artwork mit fummelnden, halbnackten Frauen auf einem Friedhof schlimmste Befürchtungen auslöst. Doch auch nach zahlreichen Durchläufen beeindruckt mich diese Platte immer noch schwer, die Songs nutzen so gut wie gar nicht ab und man entdeckt immer wieder neue Details und Feinheiten. Kein Wunder, denn CAIN’S DINASTY stehen zwar mit beiden Beinen auf Power-Metal-Boden, doch sie reichern ihren Sound durch viele ungewöhnliche und sehr gut harmonierende Stilelemente an. Hier ein bisschen symphonischer Bombast, dort ein Exkurs ins Progressive und dazu immer dieses dezente Dark-Romantic-Feeling, diese düster-dramatische Grundstimmung des Materials, die die Fantasie und Emotionen anregt. Falls sich noch jemand an die letzte Demo-CD „Into The Night“ und das Debüt-Album „The Arrival“ der finnischen Gothic-Symphonic-Metaller REQUIEM erinnern kann, so in etwa muss man sich die Atmosphäre von „Legacy Of Blood“ vorstellen – etwas bodenständiger und musikalisch anspruchsvoller vielleicht.

Per Titelsong steigen CAIN’S DINASTY mit einem fulminanten Paukenschlag in das Album ein – eine grandiose Uptempo-Granate, die wie eine etwas morbidere Ausgabe der besten Songs vom HAMMERFALL-Debüt daher kommt. Die Nummer ist einfach ein Volltreffer und die Hooklines können eigentlich gar nicht von dieser Welt sein, so schön sind die. Es folgt mit ‚Two Seconds To Forget Your Name‘ ein heavy Midtempo-Song mit Gothic-Flair, der vor allem wieder von einem galaktisch geilen Chorus getragen wird, wo eine rülpsig-böse Flüsterstimme den klaren, druckvollen und sehr ausdrucksstarken Gesang von Ruben Picazo kontrastiert. Aber auch die angenehm klare, reiche und sehr prägnante Gitarrensprache von Roberto Garcia und J.J. Ruiz sammelt emsig Pluspunkte. ‚Under The City Lights‘ geht als Symphonic Progressive Metal durch, dramaturgisch dichter Aufbau, etwas schleichend Bedrohliches baut sich in den Strophen auf, das sich in einen gradlinigen, eingängigen Refrain entlädt. ‚Remember The Tragedy‘ ist eine unter die Haut gehende, hymnische Ballade der Extraklasse.

Leider können CAIN’S DINASTY das atemberaubend hohe Niveau der ersten vier Songs im Folgenden nicht ganz halten, doch hervorragende Qualität liefern sie weiterhin ab. Schöne Gesanglinien, mitreißendes Riffing und facettenreiche Songstrukturen machen „Legacy Of Blood“ zu einem genussvollen Power-Metal-Erlebnis. Das letzte Fünkchen Genialität fehlt in der zweiten Hälfte der Scheibe meist noch. Großes Kino ist auf jeden Fall aber auch das in spanischer Sprache vorgetragene ‚Infancia Eterna‘ mit seinem energisch-treibenden Grundton und den DIMMU BORGIR-mäßigen Eruptionen. Die Schnulze ‚Come To Me‘ ist der einzige richtige Ausfall der Scheibe, einfach zu langweilig und im Vergleich zum Rest nicht ebenbürtig. Das aufbrausend schnelle ‚Taking A Look‘ mit seinen diabolischen Keyboards sorgt dann aber noch für einen mehr als versöhnlichen Abschluss.

Fazit: CAIN’S DINASTY haben so gut wie alles richtig gemacht und gehören für mich mit ihrem Debüt „Legacy Of Blood“ zu den stärksten Newcomers des Jahres 2008. Derart spielfreudige, ideenreiche und kreative Bands braucht die Power-Metal-Szene so dringend wie ein Indianer-Häuptling einen zweiten Arsch nach einem Fünf-Tage-Ritt. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs es schaffen, genügend Fans auf sich aufmerksam zu machen. Wäre verdammt schade, wenn dieses tolle Album in der Flut der Veröffentlichungen untergeht. Die Zielgruppe zwischen HAMMERFALL, GAMMA RAY, RHAPSODY und TIERRA SANTA möge bitte unbedingt Ausschau halten nach „Legacy Of Blood“. You won’t regret it!!

Homepage: www.cainsdinasty.com

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