Suche

C-187: Die Rückkehr von Patrik Mameli (Pestilence)

6. Dezember 2007

Ich gestehe gerne, dass ich ziemlich nervös wurde, als ich das Debüt-Album einer Band namens C-187 in den Händen hielt, das mir der Promo-Mensch von Mascot Records zusammen mit der neuen Agent Steel eingetütet hatte, und folgendes Line-Up las: Patrik Mameli (Gitarre), Sean Reinert (Drums), Tony Choy (Bass) und Tony Jelencovich (Vocals). Vor allem die ersten drei Namen zergehen wohl jedem auf der Zunge, der sich auch nur ansatzweise für den grandiosen, jazzigen Progressive Death/Thrash-Metal der späten Achtziger und frühen Neunziger begeistern kann. Schließlich waren diese Herren doch maßgeblich beteiligt an unsterblichen Meisterwerken der Frickel-Death-Legenden Pestilence, Death, Cynic und Atheist.

Mit diesen Gedanken in meinem Kopf waren die ersten Höreindrücke von „Collision“ dann allerdings etwas befremdlich, um nicht zu sagen schockierend. Ehrlich gesagt hatte ich anfangs eher das Gefühl einer äußerst hektischen Metalcore-Platte zu lauschen anstatt der erhofften feinsinnigen Jazz-Death-Abfahrt. Also flog die Scheibe erstmal in die nächstbeste Ecke.

C-187Ein paar Wochen später beschloss ich schließlich, C-187 noch eine Chance zu geben, denn eigentlich war mein Vertrauen in die Fähigkeiten der beteiligten Musiker größer als meine spontane Abneigung gegen die sehr modernen Rhythmen und Brüllgesänge. Dreizehn Jahre war Projektinitiator Mameli nach dem traurigen Ende von Pestilence völlig untergetaucht, und ihr könnt mir glauben, seither ist eine Menge Wasser den Rhein runter geflossen. Somit wäre es auch fast schon eine Beleidigung, von einem so begnadeten, innovativen Musiker eine Art Retro-Scheibe zu erwarten. Mameli sagt selbst, dass er zwar immer noch ein großer Death Metal- und Jazz-Fan ist, was man „Collision“ übrigens auch durchaus noch anhört, aber inzwischen auch von gänzlich anderen Sounds wie harten, aggressivem Gangsta-Rap oder groovig-metallischem Hardcore angetan ist. Gibt man nun die Erwartungshaltung und das Schubladendenken an der Garderobe ab und betritt die Welt von C-187 noch einmal unvoreingenommen, entdeckt man tatsächlich unheimlich viel Faszinierendes, enorm Raffiniertes und musikalisch Geniales. Death-Metal-Einflüsse sucht man zwar weiterhin vergebens, doch mit komplexem, intensivem Groove-Thrash ist die Musik in erster Näherung wohl gut beschrieben. Ziemlich coole, teilweise extrem verzerrte Jazz-Motive funkeln aus diesem Inferno durchaus hervor. Sie treffen auf die Kompromisslosigkeit und Durchschlagskraft von Meshuggah, die hektische Kopflastigkeit früher System Of A Down und das Irre und Abgedrehte von Acts wie Dog Fashion Disco. Und Sean Reinert trommelt mal wieder wie von einem anderen Stern. So entsteht eine zunächst arg sperrig wirkende, aber mit der Zeit immer interessanter, schlüssiger und mitreißender werdende Musik, die sehr lebendig, bei aller Extravaganz doch äußerst kompakt und sicher in dieser Form völlig einzigartig ist.

Ziemlich harter Tobak ist „Collision“ also und sicherlich nichts für Zartbesaitete und Traditionalisten. Wer mal wieder Lust hat auf ein musikalisches Abenteuer der brachialen Art, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen. Idealerweise sollte man ganz ohne feste Vorstellungen an den Sound von C-187 heran gehen und sich einfach überraschen lassen. Eine gewisse grundsätzliche Offenheit für neumodische Klänge ist dabei auf jeden Fall notwendig. Und ich selbst gebe auch offen zu, dass ich im Zweifel auch heute noch Überscheiben wie „Spheres“ von Pestilence, „Unquestionable presence“ von Atheist oder „Focus“ von Cynic vorziehe. Das hindert mich allerdings nicht daran, die Musik von C-187 als großartig und visionär zu bezeichnen.

Schreib einen Kommentar