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Breton – War Room Stories (Review)

6. Februar 2014
Breton - War Room Stories

Breton – War Room Stories

Kleine Meister des großen Mosaiks. Ein Künstlerkollektiv, das ursprünglich dem Film zugetan war, richtet seit einigen Jahren seinen Fokus auf die musikalische Umsetzung seiner kreativen Auswüchse. Bretons Debüt „Other People´s Problems“ erschien erst 2012. Erneute Ausflüge in Richtung Kurzfilm, Fotografie, Video – und Sounddesign folgten. Kooperationen mit The Temper Trap, Sinéad O’Connor und Tricky gingen Hand in Hand mit Remixen für Local Natives, Alt-J und Lana Del Rey. Und da man seit jeher spürt wie sehr das Londoner Quintett vor Tatendrang vibriert, ließ auch Album Nummer zwei  nicht lange auf sich warten. „War Room Stories“ ist kaum draußen, stellt einen aber direkt wieder vor die unlösbare Aufgabe Bretons Sound in eine oder mehrere Kategorien zu packen. Die schnelle Gewissheit hier etwas Unbeschreibliches und so unbeschwert Wandelbares zu hören, lässt einen gelöst zurück. Breton sind immer anders, experimentierfreudig bis zum Anschlag – und klingen auf eine unverkennbare Art sehr ungezwungen. Als hätte sie das Fertigstellen von „War Room Stories“ kaum Kraft und Aufwand gekostet.

Dabei standen Breton kurz vor den geplanten Aufnahmen quasi auf der Straße. Der Abriss ihrer „Breton Labs“ drohte. Flexibel wie die Briten aber sind, fand sich im alten DDR-Funkhaus in Berlin ein adäquater Ort, in dem sie ihr mobiles Labor einrichteten. Neben der anregenden Abgeschiedenheit bot diese Location noch einiges mehr an Möglichkeiten, um „War Room Stories“ abzurunden. Die Natur hat sich hier in Berlin-Oberschöneweide – um und in diesem architektonischen Relikt vergangener Zeiten längst wieder breit gemacht. Genügend Möglichkeiten für Momentaufnahmen. Gesprächsfetzen, Klangfetzen, Flora- und Faunafetzen. Breton lassen alles um sie herum in ihre Musik einfließen. Die einzelnen Fragmente sind derart geschickt mit ihrem Sound verschmolzen, dass man sie im Detail kaum wahrnimmt. Existent sind sie dennoch – und gewinnen mit jedem Durchlauf an Intensität („Fifteen Minutes“). „War Room Stories“ groovt („302 Watchtowers“), gleitet („Brother“), ist poppig aber niemals kitschig („Envy“, „Search Party“) und rummst bisweilen auch herrlich schön („Got Well Soon“). Orchestral wird´s auch; „Legs & Arms“ springt mit zusätzlichem Hall, schmachtendem Refrain und ordentlich Anlauf in den Pathos-Sumpf, geht darin aber nicht unter. Eine solche Gratwanderung muss man erstmal heil absolvieren. Breton können. Und zählen damit schon jetzt zu einem Künstlerkreis, der – jenseits jeglicher Kritik – in anderen Welten rotiert.

Breton im Internet:
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Tourdaten:
17.02.2014 – Komplex Klub, Zürich
18.02.2014 – Les Docks, Lausanne
20.02.2014 – MTC, Köln
24.02.2014 – Übel & Gefährlich, Hamburg
26.02.2014 – Privat Club, Berlin

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