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Bohren und der Club of Gore – Piano Nights (Review)

30. Januar 2014
Bohren und der Club of Gore - Piano Nights

Bohren und der Club of Gore – Piano Nights

Auf die Bremse, fertig, los! Bohren und der Club of Gore, die Meister der musikalischen Schrittgeschwindigkeit, präsentieren mit „Piano Nights“ ihr siebtes Studioalbum. Von der 2011er EP „Beileid“, die in Zusammenarbeit mit Mike Patton (Faith No More) entstand, einmal abgesehen schien sich die Wartezeit auf eine neue Platte ins Unermessliche zu steigern. Doom-Jazz will Weile haben. Seit zwanzig Jahren gibt es die Mülheimer nun schon. Was unter dem Vorsatz die langsamste Doom-Metal Band der Welt zu werden begann – entfesselte von ganz allein einen noch nebulöseren Musikstil. Zeitlupen-Jazz, der gerne mal an Twin Peaks erinnert. Im ersten Moment bedrückend, im zweiten auch. Wie ein dicker Samtvorhang, der über einem liegt und fest umschließt.

„Piano Nights“ bildet da keine Ausnahme. Was aufgrund des Covers und Titels Vermutungen aufkeimen lässt, hier ein kitschiges Album mit seicht-triefender Musik in den Händen zu halten, entpuppt sich sehr schnell als treffsicherer Scherz. Als ob Bohren und der Club of Gore jemals auf die Kaufhof-Playlist kommen würden. Die Kundschaft würde mit Sicherheit, dem Tempo angepasst, wie Zombies durch die Gänge schlurfen. Dabei hat sich soundtechnisch durchaus etwas getan. Das Klavier, sowie das Vibraphon kommen mittlerweile in beinahe jedem Song zum Einsatz. Das Saxophon klagt jedoch wie gewohnt aus dem Hintergrund, bevor es sich mit dem sachten, seeeeeehr langsamen Percussionspiel vereint. Insgesamt betrachtet ist das Paradebeispiel des vertonten Stillstands dann aber doch etwas leichter geworden. Die Titel auf „Piano Nights“ heißen wie „Unrasiert“, „Fahr zur Hölle“ oder „Bei rosarotem Licht“. Schleppend tropft Ton um Ton aus den Boxen. Zähflüssige 30 bpm, wenn´s hoch kommt. Jedoch lüftet sich der dicke Samtvorhang von ganz allein, je länger man von ihm bedeckt ist. Und aus der bedrückenden Schwere wird ein Schweben zwischen den Welten. Bohren und der Club of Gore 2014: wunderschön tranig und trüb wabernd. Oder Begleitmusik für den Fahrstuhl zum Schafott.

Bohren und der Club of Gore im Internet:
Homepage
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Tourdaten:
26.02.2014 – Essen, ChorForum
27.02.2014 – Dresden, Filmtheater Schauburg
28.02.2014 – Hamburg, Nochtspreicher
01.03.2014 – Offenbach, Hafen 2
26.03.2014 – Schorndorf, Manufaktur
27.03.2014  – München, Milla
29.03.2014 – Wien, Grelle Forelle

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