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BLUENECK: “Repetitions”

27. September 2011

Noch nie waren Wiederholungen, “Repetitions”, so schön… Der Name ist übrigens Programm, denn der nach wie vor zerbrechlich-schöne, leicht shoegazene Post Rock (im weiteren, unverbrauchten Sinne!) lädt ein ums andere mal zum wiederholten Hören ein, ja, macht sogar rasch süchtig. Wer beim Wort “Repetitions” an Monotonie aufgrund von ständig Wiederkehrendem denkt, liegt ziemlich falsch, denn Gegenteiliges ist der Fall: Das einzige was hier wiederkehrt ist der ständige Druck auf das Play-Knöpfchen, wenn die Platte mal wieder viel zu schnell vorbei ist. Ich wollte von der Band wissen, wie sie sich eine derartige Genialität erklären können… eigentlich ne blöde Frage, aber man kann ja mal versuchen, dem Gitarristen Rich Sadler dabei was Nettes zu entlocken:

Rich: Katrin, entweder du hast einen echt guten Musikgeschmack oder bist sehr leicht zu begeistern (oder beides)

Na, Ersteres auf jeden Fall und ja, ich lasse mich auch gern mal mitreißen, schließlich gibt mir “Repetitions” dazu reichlich Anlass. Album Nummer drei ist bis dato das ausgereifteste, was Blueneck bisher auf den Tisch gelegt haben. Die Briten gelangen mit ihrem dritten Album zurück zum magischen Fluss ihres Erstlings und flechten dabei die vielen Überraschungsmomente ihres Zweitwerks “The Fallen Host” gelungen ein. Sängergitarrist Duncan Attwood, dessen träumerische, warme Stimme diesmal fragiler denn je klingt und hin und wieder wenn auch bewusst zu versagen droht, so dahingehaucht kommen einige Passagen, greift nochmal den Albumtitel auf:

Duncan: Für uns hat der Albumtitel nichts mit Monotonie zu tun. Es geht vielmehr grob darum, dass man immer und immer wieder die gleichen Fehler macht… aber das kann man natürlich auch ganz verschieden auffassen… aber ich denke das ist für Blueneck ein ständig wiederkehrendes Thema.

Es ist schwierig, unter den neun wunderbaren Stücken ein einziges als Favorit herauszugreifen. “Repetitions” ist mit Abstand die zusammenhängendste und in sich geschlossenste der bisherigen drei Blueneck-Scheiben, zwar wieder zart mit diesen kraftvollen Ausbrüchen hier und da, aber dennoch ohne Brüche in der Musik. Ob es für die Musiker auch so ein Leichtes war, die Stücke zu kreieren, sie blühen und fließen zu lassen…?

Rich: Normalerweise werden wir nicht als “kohärent” bezeichnet. Wir haben etwa 18 Monate lang die Stücke geschrieben und aufgenommen. Ich denke wir hatten eine sehr klare Vorstellung von dem, was wir mit diesem Album erreichen wollten: diese Scheibe emotional so direkt wie möglich zu machen. Wir wussten auch, dass wir in verschiedenen Umgebungen, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen aufnehmen wollten. Indem wir unsere Tools und Umgebungen verändert haben, schien das Ganze sehr natürlich zusammenzufließen.

Blueneck (c) Russell How

Blueneck (c) Russell How

Duncan: Der Schreibprozess begann sehr bald nachdem “The Fallen Host” veröffentlicht wurde. Ich habe auch immer noch Material in den späten Aufnahmephasen geschrieben. Ich schreibe derzeit sogar immer noch an Material… statt eine Pause zu machen, was auch sonst der Fall ist.

Ja, die Muse der Kreativität hat es in den vergangenen eineinhalb Jahren tatsächlich gut mit Blueneck gemeint, denn ursprünglich war ja “nur” eine EP geplant, wie ich in meinem letzten Interview noch aus den Herren herausbekam…

Duncan: Ja, ursprünglich war eine EP angedacht. Nachdem wir die ersten Tracks aufgenommen hatten, haben wir begriffen, dass wir weitermachen und diese Songs als Teil eines neuen Album nehmen wollten…

Und dann war da ja auch noch was mit einem Denovali Film! Das Label der Band aus Bath/Bristol schraubt nämlich derzeit an einem Film, wenn es nicht gerade ein geniales Swingfest auf die Beine stellt, super Platten veröffentlicht und ganz nebenher noch einen fein sortierten Mailorder betreibt. Blueneck sollten vor eineinhalb Jahren auch den Soundtrack zu diesem Film beisteuern…

Duncan: Nun, wir warten ja in der Tat immer noch, dass Denovali diesen Film überhaupt erstmal vollenden. Wer weiß wann das sein wird. Vielleicht in 20 Jahren? Ich denke sie haben schon vor, das Ganze fertigzustellen, aber sie sind verständlicherweise die meiste Zeit sehr beschäftigt. Sie arbeiten sehr hart und ich weiß, dass es frustrierend für sie ist, wenn sie nicht verschiedene Projekte und Ideen alle zur gleichen Zeit bearbeiten können. Und wie ich das alles hier so sage, schreibe ich gerade am Score für einen kurzen schwedischen Horrorfilm! Es ist eine komplett andere Arbeitsweise und ich empfinde das alles unglaublich angenehm.

Apropos filmische Freuden, ich hab den Videoclip zu “Lilitu” vom letzten Album ja sehr liebgewonnen. Ist so etwas wieder geplant?

Rich: Wir ergründen da gerade ein einige Ideen mit ein paar Filmemachern…

Duncan: Ja, einer kam mit ganz besonders tollen Ideen. Wir hoffen also noch vor Ende 2011 was fertig zu haben.

(c) Leon Weidauer

Blueneck in Chemnitz, Februar 2010
(c) Leon Weidauer

Aber vorher gibt es noch eine Herbsttour, auf die ich mich schon sehr freue. Ihr habt auch einen neuen Drummer angekündigt, weil Johnny nicht mit euch spielen kann. Ist das eine permanente Änderung des Line-ups oder nur für die Tour?

Rich: Wir sind nicht so eine Band, die hinter ihren früheren Mitgliedern die Tür verschließt. Obwohl Johnny Platz für Chris Copsey gemacht hat, sagen wir nie niemals nie, dass ein Mitglied nicht eventuell zurückkommt. Wir sind immer noch eine große, erweiterte Familie.

Was folgt nach der Herbsttour für Blueneck?

Rich: Schlafen in der Reha, hoffe ich doch! Dann noch mehr Touren und – ich hoffe bald – ein bisschen neue Musik.

Duncan: Heh, vielleicht ein bisschen so wie Rich es gesagt hat. Obwohl ich direkt nach der Tour an einem Album mit einer Band namens Alpha feilen werde. Außerdem muss ich den Soundtrack zu diesem Film fertig machen, den ich vorhin erwähnte. Ich bin auch drauf und dran, die ersten Aufnahmeschritte für ein bisschen neues Material einzuleiten; Material, das ich die letzten paar Monate geschrieben hatte… also eigentlich gar keine Ruhezeit!

Na, ich bin ja schon riesig gespannt auf die Tour und würde in Leipzig auch gern mal “Epiphany” oder “Oig” von eurem Debütalbum hören!

Rich: Da könntest du Glück haben. Wir freuen uns, dich wiederzusehen!

Duncan: Wir haben “Epiphany” noch nie live gespielt. Es ist immer eine Herausforderung gewesen, es richtig hinzubekommen… Wir haben diesem Song also besondere Aufmerksamkeit geschenkt… Es hat sogar richtig Spaß gemacht, das Stück für eine Liveshow richtig klingen zu lassen. Wir haben unterdessen eine große Auswahl an Songs, die wir jetzt auf Tour spielen können… aber wir werden versuchen jeden glücklich zu machen… hoffentlich wird das gelingen!

Und wer diesen einmaligen Gänsehautshows beiwohnen möchte, sollte sich am besten mal einen oder mehrere der folgenden Termine merken:

06.10.2011 Southhampton (uk) – Avondale House
13.10.2011 Dresden (ger) – Beatpol
14.10.2011 Leipzig (ger) – kafic
15.10.2011 Magdeburg (ger) – Riff
16.10.2011 Poznan (pl) – Fabirka
17.10.2011 Warszaw (pl) – Klub Powiekszenie
18.10.2011 Lublin (poland) – tba
19.10.2011 Lviv (ukraine) – Kinoteatr Kyiv
20.10.2011 Kyiv (ukraine) – Honchar museum
21.10.2011 Chernivtsi (ukraine) – Hard Rock
22.10.2011 Cluj-Napoca (romania) – tba
23.10.2011 Brno (cz) – Boro
24.10.2011 Čadca (slovakia) – Deja Vu
25.10.2011 Prague (cz) – Club 007
26.10.2011 Freising (ger) – Abseits
27.10.2011 Freiburg (ger) – White Rabbit
28.10.2011 Bochum (ger) – Christuskirche
03.11.2011 Bristol (uk) – the louisiana

** Official Blueneck: http://blueneck.com
** Blueneck @ Denovali Records: http://denovali.com/blueneck

Den Originalwortlaut des Interviews findet ihr auf der nächsten Seite:

2 Kommentare

  1. Hello – Is it possible to get a review of the Deaf Horse album ‘Out To Sea’?

    #3455
  2. [...] zu Talking To Turtles und Kid Dakota @ Beta Bar, Chemnitz | 28.09.11Jason zu BLUENECK: “Repetitions”SCORNSCOPE » (151) Enter Shikari @ Backstage, München | 25.09.2011 zu Fotos von Enter Shikari [...]

    #3486

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