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Blonde Redhead – Barragán (Review)

17. September 2014
Blonde Redhead - Barragán

Blonde Redhead – Barragán

Mittlerweile ist jedes neue Blonde Redhead Album mit einer kleinen Überraschungskiste vergleichbar. Man weiß nie was einen erwartet. Weil auch Blonde Redhead sich nie wiederholen, sondern sehr gerne Pfade abseits von ausgetrampelten Wegen suchen, sich durch wucherndes Dickicht schlängeln und dabei Töne freisetzen, die Kunst und Klang verschmelzen lassen. Für eine Bandgeschichte, die mittlerweile über zwanzig Jahre andauert ist das schon eine beachtliche Leistung. Kazu Makino und die Brüder Simone und Amadeo Pace erfinden sich mit jeder Platte neu. Kommerzieller Erfolg war noch nie ihr Antrieb. Vielmehr das Ausleben und Experimentieren mit Strukturen, Melodien, Samples; ein Komprimieren sämtlicher Kreativströme. „Barragán“ überrascht tatsächlich. Sei es allein des Albumtitel-Intros wegen, das eine Querflöte zum einsam schönen Alleindarsteller macht, dem shoegazigen „No More Honey“, oder dem 80er-lastigen „Dripping“. Unterschiedlichste Stile laufen kaum spürbar ineinander. Es ist, als hätten Portishead, Sonic Youth und die Cocteau Twins zusammen gejammt. Im Anschluss wurden alle Sounds und Arrangements bis auf das Gerüst entkleidet und auf Platte gepresst.

„Barragán“ ist weit davon entfernt eingängig zu sein, obwohl einige Songs sofort Gehör finden. Das New Yorker Trio legt bei seinem neunten Album Wert auf Minimalismus, der mit wenig auskommt und dennoch Großes erschafft. Kazu Makino singt sich ätherisch durch die Zwischenwelten, Amadeo Pace tut es ihr flüstersanft gleich. Umschwärmt von gedämpften Beats, Akustikgitarre und angehefteten Soundschnipseln wechseln sich die Titel im 4-minütigen Takt ab. Die einzigen Ausnahmen stellen das Klagelied „Mind To Be Had“ und das nicht weniger elegische „Defeatist (Harry And I)“ dar, die während ihrer Spielzeit gleich mehrere Stilrichtungen durchlaufen. Melancholisch, tagtraum-schläfrig und auf faszinierende Weise dennoch treibend. Blonde Redhead schweifen durch das sich lichtende Dickicht, hinein in eine karge weitläufige Landschaft, die gerade aufgrund fehlendem Füllmaterial in voller Schönheit erstrahlt.

Blonde Redhead im Internet:
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Tourdaten:
17.09.2014 – Frannz Club, Berlin
18.09.2014 – Reeperbahn, Hamburg

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