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Björk – Vulnicura (Review)

15. Februar 2015
Björk - Vulnicura

Björk – Vulnicura

Das Jahr ist noch recht jung, da geschieht doch tatsächlich schon der nächste ergreifende Zauber. „Vulnicura“, Björks zehntes Studioalbum sollte ursprünglich im März erscheinen. Nachdem die Platte jedoch bereits Ende Januar im Internet kursierte, beschloss sie kurzerhand „Vulnicura“ via iTunes zu veröffentlichen. Anders als beispielsweise Madonna, meisterte Islands Beste diese-zugegeben ziemlich vertrackte Situation mit einem klugen, wie impulsiven Schachzug. Die detailliert geplante Retrospektive des MoMA in New York sollte das Gesamtwerk krönen. Aber gibt es etwas Schöneres, als eine Platte, der man sehnsüchtig entgegenfiebert, 2 Monate früher in den Händen halten zu können? Eben. Der überfallartige Release birgt jedenfalls keinerlei Abstriche. Björks musikalische Aufarbeitung ihrer zerbrochenen Ehe mit dem Medienkünstler Matthew Barney scheint ihren letzten Schliff schon vor einiger Zeit erhalten zu haben.

Das verschachtelte 2011er Gesamtkunstwerk „Biophilia“ mit all seinen ausufernden Events und interaktiven Möglichkeiten wuchs zu einem erdrückenden Giganten heran. Und irgendwann wusste man selbst nicht mehr so genau, was man eigentlich davon halten sollte. Einzigartig war es, wie alles an das Björk Hand anlegt. Vielleicht aber auch zu verschroben für die Massen. „Vulnicura“ schlägt einen anderen Weg ein. Einen, den jeder schon einmal gegangen ist. Abschied, Schmerz, Selbstzweifel, Verzweiflung, Traurigkeit, Wut – eine Abrechnung mit der scheinbar großen Liebe, mit den eigenen Fehlern. Björk reißt alte Wunden auf, stochert darin herum, versorgt sie mit Liebe zu sich selbst, um sie gereinigt verheilen zu lassen. So kämpft sich diese bewundernswerte Frau neun Songs lang durch ihren Trennungsschmerz; am Ende ist sie es, die gewinnt und die Menschheit an ihrer Wiederauferstehung teilhaben lässt. „Vulnicura“ ist ein emotionaler Brocken, der durch die Zusammenarbeit mit Arca eine Transformation erfährt, die aus klanglicher Sicht an den Sternen kratzt. Streicher tanzen mit Beats, die flüstern, knirschen, sich zu imaginären Felsen auftürmen, zerbersten, sich neu zusammenfügen. Das ist einfach nur gut! Und dann ist da Björk. Eine Frau, die einzig aus ihrer unverwechselbaren Stimme besteht. Eine Frau, die alles will und alles kann. Auch mit ihrem Ex abschließen. Und nebenher eines der besten Alben der letzten 10 Jahre produzieren.

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