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Arctic Monkeys @ Zitadelle Spandau, Berlin | 07.06.2014

12. Juni 2014

Arctic Monkeys @ Zitadelle Spandau, Berlin - 07.06.2014Die Hauptstadt-Fans von den Arctic Monkeys hatten allen Grund zur Freude, denn sie durften sich am vergangenen Wochenende fast ein wenig wie auf einem Festival fühlen. Bevor ihre Helden zur Dämmerstunde auf die Bühne gingen, kamen sie in den seltenen Genuss dreier weiterer Künstler bzw. Bands: OK KID, The Strypes und Miles Kane. Gerade letzterer kam sich vor wie auf einem Headlinerkonzert, so sehr wurde er auf Händen getragen. Miles Kane ist seit fast einem Jahrzehnt mit den Arctic Monkeys freundschaftlich und musikalisch verbunden. Er schuf mit Frontmann Alex Turner sogar einst das unvergleichbare Musikprojekt The Last Shadow Puppies. Diese Tatsache ließ den Jubelfaktor gewaltig in die Höhe treiben, allerdings verfügt Miles Kane über eine ganz eigene – unverkennbar britische – Dynamik, die für sich steht, und überhaupt ließ er mit einem breiten Grinsen im Gesicht ziemlich viele schwungvolle Mitsing-Nummern aus dem Sack – unter ihnen seinen wohl größten Hit „Don’t Forget Who You Are“. Und wenn man sich nicht gerade den Schweiß von der Stirn wischte – dreißig Grad zeigte das Thermometer an – schloss man sich liebend gern den heiteren „Lalalala“-Chören an.

>Zu allen Bildern von Arctic Monkeys + Miles Kane @ Zitadelle in Berlin

Erst ein halbes Jahr ist es her, dass die Arctic Monkeys in Berlin aufspielten. Und im Gegensatz zu den nicht weniger gigantischen The National, die zwei Tage vorher ihre Fußabdrücke auf der Bühne der Zitadelle Spandau hinterließen, konnten sie die ehemalige Hochrenaissance-Festung mit links füllen. Mehr als doppelt so viele Besucher als noch im November in der Columbiahalle wollten sich die Show der Band aus Sheffield nicht entgehen lassen. Im Vereinigten Königreich spielen die Arctic Monkeys ja bereits seit dem Erscheinen ihres Debüts „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ die erste Geige im Rock-Zirkus. Das muss ihnen erstmal einer nachmachen, fünf Alben in Folge auf Nummer Eins zu setzen.

Arctic Monkeys @ Zitadelle Spandau, Berlin - 07.06.2014Und allerspätestens seit ihrem letzten Werk „AM“, das im vergangenen September erschien, rasten die Leute überall auf diesem Planeten aus, wenn der Name Arctic Monkeys fällt. Das hat einen Grund: Sie haben nicht nur ihre Optik überarbeitet und lässige Outfits gegen Schlips und Bilderbogen mit reichlich viel Gel im Haar eingetauscht, auch ihre neuen Songs klingen weitaus geschliffener und zugänglicher für Nicht-Briten. Auf „Am“ reiht sich in der Tat Hit an Hit, was eine ziemlich bedeutsame Tatsache darstellt, vor allem in Zeiten, in denen man sich lieber Playlists zusammenstellt als sich auf ein ganzes Album zu konzentrieren.

Als die Arctic Monkeys die Bühne betraten, flackerte das Cover von „AM“ im Großformat auf, Frontmann Alex Turner steckte sich unverzüglich eine Kippe an, strich sich wie ein junger Elvis einmal durchs nach hinten gegelte Haar und gab den Startschuss für ein wirklich gewaltiges Konzert. Ein Beben ging durch die Zitadelle als die vierköpfige Band ihren bisher größten Song „Do I Wanna Know?“ anstimmte. Mit „Snap Out Of It“ und „Arabella“ folgten zwei weitere neue Nummern. Überhaupt wurde während der 90 Minuten andauernden Show kaum ein neuer Song ausgelassen, allein das zeigt, wie sehr die Band in ihrem neuen glamourösen Indie-Retro-Wüsten-Rock’N’Roll aufgeht. Man muss schon zugeben, dieser steht ihr ziemlich gut zu Gesicht, auch wenn es Alex Turner in Sachen Coolness stellenweise ein wenig übertreibt. Vielleicht muss man sich aber auch einfach noch daran gewöhnen, dass er im Gegensatz zu früher plötzlich zu Dave Gahan-liken Hüftschwüngen und ausufernden Armbewegungen ansetzt. Und auch gar nicht „amused“ schaute er drein, als nach etwa 20 Minuten Spielzeit während der Performance von „Dancing Shoes“ aufgrund eines Tonausfalls das Konzert für eine Weile unterbrochen werden musste. Als die Band zurückkehrte, spielte sie den Song nicht etwa noch einmal von vorne, sie setzten genau an der Stelle an, wo sie aufgehört hatten. Dafür ernteten wie so oft an diesem Abend tosenden Applaus.

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