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ANSUR: „Warring Factions“

11. April 2008

Gerade mal zwischen 17 und 18 Jahren waren sie alt, als sie mich vor gar nicht mal allzu langer Zeit mit ihrem extraterrestrischen Sandsturm „Axiom“ wegfegten: Ansur aus Norwegen. Mit erschreckender Präzision, Professionalität und Bedrohlichkeit war ein Häuflein Teenager für besonders bezeichnende Titel wie „The Earth Erasure“ und die anschließenden „Post-Apocalyptic Wastelands“ verantwortlich. Die besonders eigenwillige Mischung aus Dimmu Borgir (nur besser und vor allem nicht so albern), Enslaved und progressiven Triprock-Tönen kann man hier auch mal ganz wunderbar selbst nachvollziehen:

Hohe Musikalität und Kreativität, mächtig viel misanthrope Atmosphäre und homogene Kompositionen trotz vieler Gegenpole – so ward „Axiom“ im Jahr 2006 geboren. Mit dem Zweitling „Warring Factions“ tun die jungen Männer nun das absolut Richtige: jegliche Scheuklappen in Einzelteile zerhauen sich weiter entwickeln. Konnte man „Axiom“ noch grob als progressiven Black Metal bezeichnen, so geht für das neue Silberstück mit einem Augenzwinkern die Bezeichnung „Jazztreme Metal“ ganz gut durch. Auf meinen Verdacht hin, Chefdenker Torstein habe inzwischen ein Musikstudium aufgenommen und sich in diesem Rahmen besonders mit experimenteller Musik beschäftigt, reagiert der Bandkopf bescheiden…

„Nein, kein Studium, seit „Axiom“ habe ich mich lediglich verstärkt dem Jazz zugewandt, jedoch auch nicht allzu oft. Einige Stellen auf „Warring Factions“ mussten aber einfach jazzig klingen, um überhaupt zu funktioneren. Ich kann eigentlich gar keinen Jazz spielen, aber erzähl’s niemandem…“ (Torstein Nipe, git. & more)

ANSUR: „Warring Factions“ (VÖ: 21.04.08)
ANSUR: “Warring Factions” (2008)
Und war „Axiom“ von Weltuntergangsstimmung geprägt und destruktiv wie kaum ein mir bekanntes Album, so ist die immer noch dicht gestrickte Atmosphäre trotz sich bekriegender Gilden diesmal weit weniger menschenfeindlich (doch nicht minder intensiv!), was neben den nun vollends fehlenden und die für den Black Metal sonst so typischen Blastattacken auch Espens Gesangswandel zuzuschreiben ist. So tauschte der Vokalist seine stark verzerrten Black Metal-Screams gegen ein schon beinahe melodisches Gebrüll, was nicht selten an Atheist-Genius Kelly Shaefer erinnert. Generell lässt sich zwischen Ansur und Atheist ganz gut eine Brücke schlagen, zumindest sind die jungen Norweger heutzutage am ehesten noch mit der späteren Phase der Legenden des Technical Death Metal zu vergleichen. Espen erklärt jedoch, dass die eigenen musikalischen Einflüsse woanders liegen:

„Wie viele andere auch, repräsentieren wir letztendlich das was wir selbst hören. Das ist in unserem Falle derzeit viel 70s Progressive Rock, 80s Pop-Rock und Metal im Allgemeinen… und das ist auch repräsentativ für „Warring Factions“.“
(Espen Aulie, voc. & bass)

„Man kann „Warring Factions“ durchaus als etwas Neues bezeichnen. Wir haben alle möglichen Elemente eingebaut, was sehr progressiv geworden ist. Progressiver als alles, was wir je zuvor gemacht haben. Ich bin auch sehr stolz auf mein Drumming auf „Warring Factions“ – Es klingt einfach besser, technischer und herausfordernder.“
(Glenn Ferguson, dr. & perc.)

Vielseitigkeit wird auf „Warring Factions“ groß geschrieben, schließlich stehen sich hier laut Albumtitel zwei Fraktionen gegenüber…

„In „Warring Factions“ geht es grob gesagt um einen Krieg, der auf sich ausweitendem Fanatismus beruht, wie er bereits auf dem „Axiom“-Album beschrieben wurde. Es ist ein Szenario mit einigen Entwürfen zu biblischen Mysterien, die als Antworten wirken. Die Menschheit agiert hierbei in zwei Richtungen, auf „Warring Factions“ verwandelt sich der Fantasismus in einen Konflikt und beendet das, was in „Axiom“ begann. Wenn man an Science-Fiction interessiert ist, sollte man die Lyrics beider Alben studieren.“
(Espen Aulie, voc. & bass)

Ansur 2008…Und angesichts dieser kriegstreibenden Gegenpole verwundert es doch ein bisschen, dass man auch ein schon beinahe fröhlich-eingängiges und saumäßig groovendes Stück in „Sierra Day“ wiederfindet und im Mittelteil von „An Exercise in Depth of Field“ Teil einer Party ist, die klingt, als wäre man in der ersten Reihe eines Rush-Konzertes. Sie sind eben unberechenbar und für so manch eine Überraschung gut, diese Burschen…

„Ein Rush-Konzert, da haben wir’s! Ich mag die Beschreibung! Es soll den Hörer so richtig schön durcheinander bringen und von diesem Country/Bluegrass-Teil wieder nahtlos in den Death Metal übergehen. Eigenartig progressiv! Zugegebenermaßen haben wir hierbei Teile auf einer Party aufgenommen. Man kann uns sogar im Hintergrund hören. Toller Part, tolle Party!“ (Torstein Nipe, git. & more)

Nach wie vor findet man auflockernde Akustikgitarren-Passagen, und mehr noch: Hammondorgeln, Piano und Saxophon – Diese „unverzerrten“ Intrumente scheinen den gleichen Wert – wenn nicht gar einen höheren – zu haben wie die so typische Metalinstrumentierung. Verantwortlich für diese sich unglaublich homogen in den Gesamtsound eingebetteten Elemente ist einmal mehr Herr Nipe…

„Die Saxophonparts hat jedoch die Anja, eine Freundin von uns, eingespielt. Fantastische Saxophonistin! Unser Live-Keyboarder Audun „Blues“ Førde“ hat außerdem das Orgelsolo bei „The Tunguska Incident“ eingespielt.“ (Torstein Nipe, git. & more)

Und wenn man sich am Ende dieses Jahres wieder einmal die Frage stellen muss, welche denn die größten Outputs der vergangenen 365 Tage waren, so muss Ansurs „Warring Factions“ ganz klar im obersten Bereich dieser Liste stehen.
Da bleibt zu guter letzt eigentlich nur noch die Frage offen, wann Ansur auch livehaftig Europa in Schutt und Asche legen werden…

„So bald wie möglich. Lasst es uns wissen, wenn ihr ein paar Spielorte kennt. Wir sind daran interessiert, überall zu spielen.“ (Glenn Ferguson, dr. & perc.)

„Wenn wir in Europa auf Tour gehen, werden wir sie „Warring through Europe“ nennen. Und nun da wir den Titel haben: Lasst das Buchen bgeinnen!“
(Torstein Nipe, git. & more)

Offizielle Bandseite: www.ansursite.com
ANSUR @ Myspace: http://www.myspace.com/ansursite

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