Suche

Annett Louisan @ Tempodrom, Berlin | 19.10.2011

23. Oktober 2011

Annett Louisan. Deutschlands wohl erfolgreichste Pop-Chansonette ist zurück auf heimischen Bühnen. Im Mittelpunkt steht ihr aktuelles Werk „In meiner Mitte“, auf dem sich die 33-Jährige äußerst besonnen präsentiert. Jedenfalls machte sie sich nach dem Vorgängerwerk „Teilzeithippie“ auf die Suche nach der Frage: Wer bin ich eigentlich?

Ihre Anhänger haben diese Frage für sich schon längst beantwortet. Sie mögen die Brünette, die ihr Lolita-Image schon vor einiger Zeit abgestreift hat. Sie haben das Gefühl sie doch irgendwie gut zu kennen. Sie, das sind Menschen um die 35 bis 70. Mehr oder weniger. Einige tausend von ihnen nahmen vor einigen Tagen im Tempodrom zu Berlin Platz, um die gereifte, ihnen gleichermaßen vertraute Wahl-Hamburgerin in Aktion zu erleben. Und ihre Geschichten von Schönhausen, Hamburg, Berlin, New York und wieder zurück.

Die Bühne war groß, die Lichter knallbunt und ihre Band bestens ausgerüstet. Da schallten und klimperten Kontrabass, Akkordeon, E-Piano, Cello, Gitarre und Schlagzeug Richtung Publikum. Und auch eine Sitzecke gab es. So richtig mit Lampenschirm, Rollbar und verruchtem Dampf obendrüber. Annett Louisan tippelte fröhlich Richtung Mikrofon in ihrem kurzen schwarzen Hosenanzug und legte los. Mit Songs wie „Pärchenallergie“, einem dieser neuen Stücke. Auffällig stets: sich einrollende Finger und abgehackte Hand-Bewegungen. Wo andere an dieser Stelle als aufgeregt enttarnt werden, kann man Madame Louisan den Stempel „Markenzeichen“ aufdrücken. Es dauerte nicht lange bis sich die nicht unbedingt großgewachsene Sängerin ins Publikum stürzte und die mittleren Reihen abklapperte. Zum Glück handelte es sich um ein bestuhltes Konzert, so konnte man ihr problemlos folgen. Da gab es übrigens auch diesen einen älteren Herren, der das Wort „Miau“ ein paar mal ins Mikrofon fauchen durfte.

Und sonst? Man erfuhr Geschichten, die vom Netzdrang ihrer Mutter handelten, dem Baumbestand vorm Balkon der ehemaligen Hamburger Wohnung, Jagdbemühungen nach Mr. Big. Man bekam Ratschläge mit auf den Weg, dass man nicht alles persönlich nehmen sollte und außerdem folgende Anmerkung aufgetischt:

Es ist lustig, jemandem beim Lügen zuzuhören, wenn man die Antwort schon kennt.

Und es wurde das Vorurteil ausgeräumt, dass Annett Louisan um Himmels Willen keine Hardcore-Emanze sei.

Den einzigen Kerl, den ich abgrundtief hasse, ist Torsten Schmidt.

Nach der Pause, die einem als erfahrener Rockkonzerte-Besucher eher langweilte, zeigte sich die Sängerin von ihrer romantischen Seite in neu übergestreiftem Outfit. Die Interpretation von Audrey Hepburns „Moon River“ gefiel und es folgte mit „Würdest du“ einer der besten Songinterpretationen des Abends. Das steht ihr ohnehin am besten: minimalistischer Einsatz von Instrumenten, Freiraum für ihre Stimme und den obligatorischen Zigarettenqualm.

Und das Auditorium freute sich weiterhin über ganz viel Interaktion.

Habt ihr Spaß? Berlin, Rock’n’Roll-Hauptstadt, ihr könnt auch tanzen! Berlin, ich werd euch feiern heute Nacht! Danke, fürs Zuhören!

>> Zu allen Bildern von Annett Louisan im Tempodrom

Annett Louisan im Internet:
Offizielle Homepage: www.annettlouisan.de
Facebook: www.facebook.com/Annett.Louisan

Schreib einen Kommentar