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Review: Anna von Hausswolff – Ceremony

12. Juni 2013

hausswolff ceremonyVita contemplativa! Anna Hausswolff hat sich für die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album „Ceremony“ in eine Kirche zurückgezogen. Der Albumtitel lässt etwas heftig Spirituelles vermuten, die Klangkulisse (Stichwort Orgel) tut ihr Übriges, um diesen Eindruck zu bestätigen – durch ätherische Songs, die sich einem ganz langsam nähern und mit jedem Hören an Wucht gewinnen. Die Spiritualität, die dem Album zugrunde liegt, ist jedoch keine explizit religiöse. Es geht Anna von Hausswolff vielmehr um die Auseinandersetzung mit dem Tod. Unzahm und wild wie ein Raubvogel, dabei düsterromantisch, kreisen ihre Songs um das große Thema, ehe sie zum Sturzflug mitten in die Herzen und Hirnwindungen ihrer Hörer ansetzen. Funeral Pop eben, so jedenfalls heißt es auf Anna von Hausswolffs Facebook-Seite. Schon die Songtitel legen nah, worum es geht: Da trifft die „Liturgy“ auf manchen „Epitaph“, die Lieder drehen sich um „Funerals“, ein „Deathbed“ und ein „Goodbye“.

Auch, wenn die Songwriterin, Sängerin und Pianistin aus dem schwedischen Göteborg sich selbst nicht als gläubigen Menschen bezeichnet: Die bombastische Schwere der Kirchenorgel, besonders in Kombination mit einem so jenseitigen Thema, riecht schon ein wenig nach Weihrauch. Für Hardboiled-Atheisten kann das durchaus eine Herausforderung sein. Wer das ausblendet – oder sich mit „Ceremony“ wirklich auseinandersetzt – kann sich aber auf ein Album freuen, das vor Dramatik nicht zurückschreckt, sondern konsequent und gekonnt mit der Grenze zwischen Pop und Pathos spielt. Besonders aufhorchen dürften Fans von Soap&Skin, und der Vergleich mit Kate Bush wird mindestens genauso oft angeführt, nicht zu Unrecht.

Wenn nach großzügigen instrumentalen Intros endlich Anna von Hausswolffs Stimme zu hören ist, entfalten die Songs oft erst ihre volle Kraft, dann sind sie plötzlich nicht mehr introvertiert, sondern durch und durch eindrücklich, und beginnen, Geschichten zu erzählen. Geschichten, die man nicht Wort für Wort verstehen muss, um ihren Sog zu spüren. Diese Geschichten sind surreal, die Stimme, die sie erzählt, dafür umso präsenter. Und dann gibt es auch noch diese besonders starken, treibenden, in all ihrer Finsternis mitreißenden Songs, so wie das großartige „Funeral for my Future Children“.

„Ceremony“ ist ganz bestimmt ein Album, auf dessen düsteren Drive nach ganz tief unten man sich erst einlassen muss. Ich suche gerade nach der Stimmung, die mir für dieses Album passend scheint, während kalter Frühsommerregen an mein Fenster schlägt und auf der Gasse zu einem Bach zusammenfließt. Es ist nicht mehr hell, aber auch noch nicht dunkel, und ich merke: Sie ist schon längst da, die richtige Kulisse zu diesem beeindruckenden Album.

Anna von Hausswolff im Internet:
Offizielle Homepage: annavonhausswolff.com
Facebook: facebook.com/annavonhausswolff

Termine:
10.08. Haldern – Haldern Pop Festival
18.08. Breacon Beacons (UK) – GreenMan Festival
25.08. Amsterdam (NL) – Grachten Festival
31.08. Dorset (UK) – End Of The Road Festival
21.09. Brüssel (BE) – Amerikaans Theater (+ Wire Mum & Wolf Eyes)
27.09. Hamburg – Reeperbahnfestival
03.10. Heidelberg – Enjoy Jazz Festival
04.10. Basel – Paterre
12.10. Graz – Steirischer Herbst Festival
30.10. Reykjavik (IS) – Airwaves Festival

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