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Anna Calvi @ Astra, Berlin | 07.10.2011

11. Oktober 2011

Im Laufe der Zeit begegnet man so manchen Musikern. Einige von ihnen gehen als Durchschnittskost durch, mal sind sie gut an ihren Instrumenten, doch oft mag der Funke nicht so recht überspringen. Andere wiederum wissen ihr Publikum zu begeistern. Sie haben etwas Spezielles an sich. Ganz wenige brillieren, spielen als wären sie von einem anderen Stern. Sie kopieren niemanden, sie haben ihren eigenen atemberaubenden Stil gefunden. Wo sie auftauchen, zieht sich ein langer dunkler Schatten. Man schaut verblüfft zu ihnen auf. In diese Kategorie fällt die aus England stammende Anna Calvi, die auch gut und gerne den Soundtrack zu einem Tarantino-Movie abliefern könnte – natürlich ohne vorher Dagewesenes nachzuahmen.

Es muss so etwa 22 Uhr gewesen sein als den Anwesenden im prächtig gefüllten Astra Kulturhaus der Atem stockte. Anna Calvi ließ ihre Gitarre – hoch am Körper hängend – vibrieren. Es war „Rider To The Sea“, ebenfalls Opener auf dem nach ihr benannten Debüt-Album, der einem den Schauer auf den Rücken trieb. Auf virtuose, cineastische, selbstbewusste Art nahm sie ihr Publikum gefangen – direkt zu Beginn, damit es sich besonders intensiv anfühlt. Der erste Song mündete in „No More Words“. Zwei weitere Scheinwerfer waren von nun an auf ihre Bandmitglieder gerichtet: Harmonium-Spielerin bzw. Multi-Instrumentalistin Mally Harpaz und Drummer Daniel Maiden-Wood. Anna Calvi näherte sich dem Mikrofon in schwarzer 7/8 Hose, roter – mit Glitzerapplikationen versehenen – Bluse, blutroten Lippen, schwarzen Stilettos und streng zurückgebundenem Haar. Sie begann zu singen. Ihre Stimme: dunkel, wohlklingendend, unverwechselbar. Ihre Mimik: eine im positiven Sinne theatralische. Dass niemand in Ohnmacht fiel, grenzt an ein Wunder. Vielleicht lag es an ihren Fans, denn Anna Calvi macht keine Musik für Teenager. Sie besticht durch zeitlosen Charme. Damit erreicht sie Menschen, die sich abseits ausgetretener Pfade bewegen, Menschen, in deren Köpfen sich beim Hören von Musik filmreife Bilder aneinanderreihen.

Man würde der Engländerin nicht abkaufen, dass sie erst vor fünf Jahren mit dem Singen begann, wo sie doch einen regelrechten Verführungstanz mit ihrer Stimme hinlegte. Nach etwa einer emotionsreichen Dreiviertelstunde und nicht verstummen wollendem Beifall zeigte sich Anna Calvi gerührt. Doch wer hätte gedacht, dass sich in ihr ein zarter anstatt rau-anmutiger Charakter versteckt. Ganz weich und schüchtern erklang ihr „Thank You“. Viel mehr Interaktion – außer ein paar weiteren dankbar-zeigenden Einwürfen – gab es nicht, aber das war auch gar nicht nötig. Die Menschen erfreuten sich schlicht und einfach am leidenschaftlich dargebotenen und mächtig klingenden Gesamtkunstwerk.

Wir sind gespannt, wo der Weg von Anna Calvi hinführt. Wobei es keiner übernatürlichen Kräfte bedarf, um vorauszusagen, dass sich spätestens mit ihrem zweiten Album-Release noch mehr Augen auf die Achtundzwanzige richten werden.

Den Konzertabend eröffneten übrigens Frànçois and the Atlas Mountains.

>> Zu allen Bildern von Frànçois and the Atlas Mountains im Astra

>> Zu allen Bildern von Anna Calvi im Astra

Anna Calvi im Internet:
Offizielle Homepage: www.annacalvi.com
Facebook: www.facebook.com/annacalvi
Soundcloud: www.soundcloud.com/annacalvi

Audio-Tipp: radioeins-Interview mit Anna Calvi vom 07.10.11:
www.radioeins.de/musik/interviews/2011/annacalvi.html

Anna Calvi-TV:

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