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Angel Olsen @ Bi Nuu, Berlin | 08.10.2014

12. Oktober 2014

Angel Olsen @ Bi Nuu, Berlin - 08.10.2014Um ein Haar hätten wir Angel Olsen links liegen lassen. Und eigentlich nur aus dem Grund, weil wir zunächst davon ausgingen, es mit einer der nervtötenden Olsen-Geschwister, einst bekannt geworden durch die Sitcom Full House, zu tun zu haben. Aber wieso sollte ausgerechnet eine von denen in der Lage sein, einen schwindelerregenden Song wie „High-Five“ zu komponieren? Natürlich lagen wir mit unserer Assoziation komplett daneben. Und nur dank unserer Hartnäckigkeit, tiefer in der Biografie von Angel Olsen zu bohren, stießen wir auf einen Rohdiamanten der Musik, einen Hoffnungsträger des amerikanischen Songwritings, vergleichbar mit der Qualität einer Sharon Van Etten. Kein Wunder, dass beide Musikerinnen beim Indie Rock-Label Jagjaguwar unter Vertrag stehen.

„Burn Your Fire for No Witness“, das dritte Album von Angel Olsen erschien erst im Frühjahr, und es ist auch erst sechs Monate her, dass die Sängerin zuletzt mit ihrer Band in Deutschland vorbeischaute. Und weil wir sie aufgrund unglücklicher Verkettungen damals verpassen, freuten wir uns umso mehr auf ihre Show im Berliner Bi Nuu, das bereits zu früher Stunde aus allen Nähten platzte.

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Für etwa 40 Minuten ihrer Show zeigte sich Angel Olsen von ihrer kühlen Seite, man konnte zunächst nicht so genau einschätzen, wann und ob der Sympathiefunke überspringen wird. Wenn sie in Richtung Publikum blickte, schaute sie über dieses hinweg, in Gedanken versunken, umschlungen von einem weißen wirligen Gitarrenkabel, im Einklang mit ihrer wirklich eindrucksvollen Musik. Doch spätestens als ihr erstes zaghaftes Pausbackenlächeln aufblitze, war es um einen geschehen – hoffnungslos. Vielleicht hatte es etwas mit ihrer Tagesform zu tun, dass sie nach der Hälfte plötzlich begann zwischen den Songs aus dem Nähkästchen zu plaudern. Eine Selbstverständlichkeit soll das nämlich bei ihr nicht sein: „Manchmal stecke ich voller Wut, ich weiß gar nicht, wo ich sie überall hinstecken soll!“ Und nach einem besonders hitzigen Lied begann schließlich ihr Flirt mit den Besuchern: „Wir sind jetzt schon eine Weile auf Tour. Manchmal weißt du gar nicht, wohin die Reise geht, wenn du den ganzen Tag in einem Van verbringst, deshalb vielen Dank fürs Kommen!“ Angel Olsen braucht ein Publikum, welches ihr Dinge zuwirft, sie verbal fordert. In dieser Hinsicht brillierten die Berliner Fans, und die wurden in der zweiten Konzerthälfte mit reichlich Interaktion belohnt – ebenso mit einem experimentellen Gastauftritt des wundervollen brasilianischen Singer/Songwriters Rodrigo Amarante, bei dem Angel Olsen unaufhörlich vor sich hin lächelte.

Das Konzert verging natürlich wie im Fluge, wie das immer so ist, wenn unangepasste Künstler mit einem hohen Wiedererkennungswert vor einem stehen. Künstler, die die Luft knistern lassen. Die letzten beiden Songs spielte sie ohne Bandbegleitung. „White Fire“ war ein spontaner Wunsch aus dem Publikum, den sie erfüllte, auch wenn sie erwiderte: „Verdammt, genau der ist richtig schwer zu spielen!“ Natürlich war davon nicht auszugehen, so perfekt wie jeder Ton saß.

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