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AMORPHIS-INTERVIEW zum Dong Open Air 2009

16. Juli 2009

Diese schlauen Sprüche, dass Stillstand dem Exitus gleichkäme und wie bei Hermann Hesse alles in irgendeinem Fließgewässer sein muss, damit man zu spiritueller Erleuchtung gelangt, sind eventuell ein klitzekleines bisschen übertrieben. Dennoch ist es schön zu sehen, welche Freude manche Bands daran haben, sich immer wieder neu zu erfinden.
AMORPHIS haben früh begonnen zu experimentieren und nie damit aufgehört. Zunächst als Death Metal-Combo gestartet, entwickelten sie bald über die Grenzen Finnlands hinaus den Ruf einer progressiven, unterschiedlichen Einflüssen aufgeschlossenen Band. So finden sich teils doomige Anleihen auf den Alben, hier und da hört man ein wenig Folk heraus, und selbst orientalische Elemente gab es bei Amorphis schon zu entdecken. Mit „Tales From The Thousand Lakes“ ebneten die Finnen schon 1994 den Weg für melodischen Death Metal, das Album gilt bis heute als stilprägend.
Zwar sind die Finnen nach einem kurzen Exkurs längst wieder zu ihren Death Metal-Wurzeln zurückgekehrt, aber neben garstig durch die Boxen grollenden Growls setzen Amorphis stark auf cleanen Gesang und teils fast schon eingängige Rockigkeit.
In diesem Sinne ist es keine ganz riesige Überraschung, dass die Band seit Jahren auch kommerziell beachtliche Erfolge erzielt: In diesem Jahr kam mit „Skyforger“ das nunmehr neunte Studioalbum in die Läden und hat neben den Hörerherzen auch die Albumcharts erobert – in Finnland sogar auf Platz 1. Und auch die Vorgänger, allen voran „Silent Waters“ (2007) und „Eclipse“ (2006), haben nicht nur in den heimischen Charts mächtig abgeräumt.

amorphisNiclas Etelävuori, der Amorphis seit geschlagenen neun Jahren am Bass unterstützt, plauderte im Interview gutgelaunt und aufgeschlossen über Festivalerfahrungen, die kommenden Touren und das allgegenwärtige Kalevala.

HI NICLAS, TOLL, DASS IHR DIESES JAHR AUF DEM DONGBERG DABEI SEID! FÜR EUCH UND UNS IST DAS JA EINE PREMIERE – WAS GLAUBST DU, WAS DICH HIER ERWARTEN WIRD?

Dieses Jahr spielen wir nur auf zwei Festivals in Deutschland, eines davon ist das Dong Open Air, und darum freuen wir uns natürlich umso mehr, dass wir die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Auf Festivals zu spielen, ist ohnehin immer eine ziemlich spannende Sache für uns.

IHR WART IN EURER KARRIERE JA SCHON AUF ZAHLLOSEN FESTIVALS, DA HABT IHR SICHER EINIGES ERLEBT. WAS WAR DENN BISLANG DAS SCHLIMMSTE, DAS EUCH AUF EINEM FESTIVAL WIDERFAHREN IST?

Wirkliche Katastrophen sind uns bislang erspart geblieben, zum Glück! Es ist allerdings nicht gerade toll, wenn du auf der Bühne stehst und es anfängt, wie aus Eimern zu regnen, ein richtiges Unwetter über dich hereinbricht und einfach alles unter Wasser steht. Gerade wegen dem ganzen Equipment, das dort rumsteht. Ein paar Mal hatte ich ehrlich Angst, dass wir allesamt einen höllischen Stromschlag abbekommen. Zum Glück gab es bislang weder Tote noch irgendwelche ernsthaften Verletzungen (lacht).

NA, DANN HOFFEN WIR DOCH AUF GUTES WETTER BEIM D.O.A. ÜBRIGENS, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZU EURER HOHEN CHARTPLATZIERUNG! DAS HAT EUCH JA SICHER SEHR ERFREUT. ODER IST DIR SO EIN DURCHSCHLAGENDER ERFOLG MANCHMAL AUCH UNHEIMLICH?

Für uns ist das schon eine nette Erfahrung. Wobei wir die Nummer Eins auch „nur“ für zwei Wochen halten konnten, inzwischen sind wir aber immerhin noch auf Position drei. Mit „Eclipse“ waren wir übrigens auch schon mal auf Nummer Eins in Finnland. Diese ganze Sache beruht natürlich schon auf einem sehr harten Wettbewerb und ist heiß umkämpft, deshalb sind wir erst recht sehr glücklich mit diesem Ergebnis.

UND WAS IST, IN DEINEN EIGENEN WORTEN, NEU AN „SKYFORGER“? IHR HABT JA SEHR VIELE VERÄNDERUNGEN DURCHLEBT – LÄUTET „SKYFORGER“ FÜR EUCH EINE NEUE ÄRA EIN?

Ich denke, dass wir mit den neueren Alben durchaus eine Linie gefunden haben, die wir mit unserer neuen LP weiterentwickeln. Ich würde hier also nicht von einer deutlichen Zäsur sprechen, vielmehr haben wir daran angeknüpft, was wir mit den vergangenen Alben begonnen haben und sind diesen Weg einen Schritt weiter gegangen.

amorphisWIE DÜRFEN WIR UNS DENN SO EINEN TYPISCHEN AMORPHIS-KREATIVPROZESS VORSTELLEN? SCHREIBT IHR EURE SONGS ALS KOLLEKTIV, ODER GEBEN DOCH EHER EINZELNE DIE IMPULSE?

Also, in aller Regel ist es so, dass die Idee zu einem neuen Song einer von uns hat. Die wird dann aber von uns allen aufgegriffen und in der gesamten Band weiterentwickelt, und dann fangen wir alle gemeinsam mit dem Proben der neuen Stücke an.

WAS HAT ES EIGENTLICH MIT DEM KALEVALA AUF SICH, DAS IN EURER MUSIK IMMER WIEDER AUFGEGRIFFEN WIRD?

Das Kalevala ist ein uraltes finnisches Volksepos. Es geht bis in die Eisenzeit zurück, so dass die Geschichten sozusagen in unser Fleisch und Blut übergegangen sind, auch wenn die Zusammenstellung erst um die hundert Jahre alt ist. Für uns ist dieses Epos aber ohnehin etwas ganz Zeitloses. Es braucht eben nur jemanden, der diese Geschichten erzählt. In unseren neuen Texten greifen wir wieder Teile des Kalevala auf, selbst der Titel „Skyforger“ bezieht sich darauf. Und auch die anderen Themen, die sich bei uns wiederkehrend finden lassen – zum Beispiel Emotionen, Leben und Tod – haben letztlich auch etwas mit dem Volksmythos Kalevala zu tun, schließlich spielen all diese Dinge, die unsere Musik beeinflussen, auch dort eine ganz große Rolle.

UM NOCH MAL AUF DAS THEMA TOUREN ZURÜCKZUKOMMEN: DIESES JAHR STEHEN FÜR EUCH JA AUCH NOCH EIN PAAR SÜD- AMERIKATERMINE AN. SEID IHR SCHON AUFGEREGT?

Klar, ich finde es wirklich toll, dass wir wieder einmal unbekanntes Gelände betreten können. Wir warten schon seit Jahren darauf, dass sich endlich mal die Möglichkeit bietet, dort zu spielen! Bislang sind wir nur in Europa und den USA richtig getourt, auch mal in Japan, und Russland gehörte auch zu unseren weitesten Reisezielen. In Südamerika spielen wir aber zum ersten Mal. Insgesamt fünf oder sechs Gigs stehen auf dem Programm; da werden wir sicher eine ganze Menge erleben. Und es gibt dort richtig viele Metalfans, auf die wir uns natürlich auch sehr freuen.

DANN WÜNSCHEN WIR EUCH VIEL SPAß DORT UND BEDANKEN UNS SEHR FÜR DAS NETTE GESPRÄCH! ABER DAS SCHLUSSWORT ÜBERLASSEN WIR NATÜRLICH DIR.

Gerne. Also, wir freuen uns auf Euch beim Dong Open Air und darauf, unsere neuen Songs und natürlich auch einiges von den vergangenen Alben live zu spielen, und wir hoffen, dass sie Euch genauso begeistern werden wie uns. Ihr könnt Euch also auf die neuen und die alten Amorphis gleichermaßen freuen und auf eine Menge Songs, die Ihr live noch nicht gehört habt!

HINWEIS: Die Print-Version des Interviews findet sich im Programmheft zum Dong Open Air 2009.

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