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Alanis Morissette @ Zitadelle Spandau, Berlin | 10.07.2012

13. Juli 2012

Im August steht das neue Werk von Alanis Morissette in den Läden. In der Zitadelle gab es erste Hörproben.

Alanis Morissette. Wo soll man anfangen? „Jagged Little Pill“ – das Album, welches ihr 1995 den großen Durchbruch bescherte – wurde bisher 33 Millionen mal verkauft. Manchmal täuschen solch unglaubliche Zahlen ein wenig über die wahren Qualitäten eines Künstlers hinweg. Manchmal passieren Dinge in den Charts, die man sich einfach nicht erklären kann. Im Falle der gebürtigen Kanadierin ist der unglaubliche Erfolg jedoch auf ihr Talent und ihre Glaubwürdigkeit zurückzuführen. Alanis Morissette hat sich nie an dem populären Künstlerspiel „Springe auf den Trendzug auf“ beteiligt, deshalb fiel ihr zweites Album „Supposed Former Infatuation Junkie“ aus dem Jahre 1998 gleich mal eine Spur sperriger aus – rückblickend war es ihr wohl bestes Werk, auch wenn es in Sachen Verkaufszahlen nicht mit dem Debüt mithalten konnte.

Die mittlerweile 38-jährige hat den Zeitgeist der späten neunziger Jahre geprägt, sie war Vorbild vieler Jugendlicher und jetzt – es klingt fast unglaublich – weitere 14 Jahre später, im August 2012, steht die Veröffentlichung ihres sechsten Studioalbums „Havoc and Bright Lights“ an. Auf einem einzigen Deutschland-Konzert wollte sie ihre Fans schon einmal auf ihr neues Werk einstimmen. Nach vier Jahren musikalischer Funkstille nahmen also 3000 Fans in der Zitadelle zu Berlin auf ihrem Hosenboden platz.

So ein Alanis Morissette-Konzert geht ansich eher unspektakulär vonstatten, so wurden auch am vergangenen Dienstag keine großen Worte geschwungen, keine Tanzeinlagen vorgeführt. Lediglich ein Riesenbanner mit Scherenschnitt-Bild im Hintergrund sorgte für visuellen Feinschliff. Während ihre Band im Vordergrund zum ersten Song ansetzte, hauchte Alanis im Hinterhalt ins Mikro und veranlasste einen zum nervösen Hin- und Herwackeln auf den doch recht unbequemen Plastikstühlen. Als sie zu „Woman Down“, einem brandneuen Track, endlich nach vorne stürmte, setzte tosender Applaus ein, obwohl sie zunächst nur spärlich den Blickkontakt zu ihrem Publikum suchte. Stattdessen legte sie während der ersten zwei „richtigen“ Songs – mal mit mal ohne Mundharmonika an den Lippen – einen gefühlten Zwei-Kilometer-Fußmarsch zurück. Das macht sie immer noch gerne. Wenn sie also nicht gerade eine eine gläserne, goldene oder glitzernde Gitarre um den Hals geschwungen hatte und den Mikrofronständer auf der Stelle stehend erreichen musste, kam Bewegung ins Spiel. Nach acht Songs schaltete das Publikum auch endlich die Security aus: Endlich standen alle, wie es sich gehört auf einem Rock-Konzert. Die Songauswahl hatte es in sich, mindestens sechs Kracher gab es von ihrem Debüt zu hören, inklusive der betörenden Non-Single „Forgiven“, mit der wohl die wenigsten rechneten. Bei „Ironic“ – dem Song für die Ewigkeit – hatte sich ein eindrucksvoller Besucher-Chor formiert. Weiterhin sorgten leichte textliche Änderungen wie „It’s like meeting the man of my dreams and than meeting his beautiful … husband“ für Heiterkeit. Alanis Morissette zeigte sich gerührt: „You are so generous tonight, thank you each!“, verlor aber nie mehr als nötig Worte, aber das erwartete ohnehin niemand. Viel wichtiger war, dass sich Alanis Morissette in Bestform präsentierte. Ihre Stimme thronte dabei über allem wie eine Krone auf dem Kopf einer Königin! Und zur Musik lässt sich ergänzen: Nietenstiefel rules – keine Chance dem Hackenschuh! Einziger Wermutstropfen: Nach 70 Minuten und einem betörenden „Uninvited“ war bereits Schluss.

Alanis Morissette im Internet.
Homepage: www.alanis.com
Facebook: www.facebook.com/alanismorissette

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