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AGENT STEEL: „Alienigma“

22. September 2007

AGENT STEEL machen keine Gefangenen!!

Mit dem grandiosen Longplayer „Order of the Illuminati“ konnten die Power/Speed Metal-Götter AGENT STEEL vor nunmehr vier Jahren wieder anknüpfen an ihre ruhmreiche Vergangenheit in den Achtzigern („Masters of metal, agents of steel…“ – Hell, yeah!!!) und das seltsam unausgereiften, zerfahrene Comeback-Album „Omega conspiracy“ (1999) deutlich übertreffen. Quälend lang erschien den Fans daher die Wartezeit, bis nun endlich Studio-Album Nummer Fünf (die „Mad locust rising“-EP mal nicht mitgezählt) mit dem wunderlichen Namen „Alienigma“ das Licht der globalisierten Welt erblickt hat und mit den Hufen scharrend darauf wartet, eure heimischen CD-Player im Sturm zu erobern.

AlienigmaUm das Fazit gleich vorweg zu nehmen: „Alienigma“ ist ein exzellentes Scheibchen geworden und erfüllt die hohen Erwartungen voll und ganz, auch wenn es eine Weile dauert, bis man den Zugang zu dieser Platte gefunden hat. Mit „Alienigma“ bewegt die der AGENT STEEL-Sound ein signifikantes Stück in Richtung Thrash-Metal, die Riffs donnern mit Urgewalt aus den Speakern, Bruce Hall singt deutlich aggressiver und wütender als zuvor, ein treibender Groove ist unter das Material gewoben und die Doublebass feuert eine Maschinengewehr Salve nach der anderen auf die „Wimps and Posers“ ab. Manch einer wird es vielleicht ein wenig bedauern, dass die alte Achtziger-Magie, das filigran-verspielte Element und die geilen Metal-Screams nicht mehr so im Vordergrund stehen. Doch wer sich länger mit „Alienigma“ beschäftigt, wird feststellen, das die neue Härte der Band im Grunde sehr gut zu Gesicht steht und sie auch davor bewahrt, sich lediglich selbst zu kopieren. Wem das weiterhilft, der möge sich einen modernisierten Hybriden aus „Order of the Illuminati“ und dem Thrash-Klassiker „The underworld“ von Evildead, der ehemaligen Band des Agent Steel-Gitarristen Juan Garcia vorstellen.

Der schnelle, eingängige Opener ‚Fashioned from dust‘, der ja im Vorfeld schon als Appetizer über die Myspace-Seite der Band zum Download angeboten wurde, ist weiterhin ein Macht – völlig geile Melodien, alles plättende Power und von Bill Metoyer gnadenlos fett produziert. Der anbetungswürdige Solopart im Mittelteil dieses Killersongs allein würde den Kauf der CD schon rechtfertigen. Überhaupt fasziniert und begeistert auf „Alienigma“ wieder einmal die ebenso geniale wie unverwechselbare Gitarrenarbeit von Garcia und seinem Partner-in-Crime Bernie Versailles, der ja in diesem Jahr bereits mit den Prog-Metallern Redemption eine fantastische Platte abgeliefert hat. Enorm druckvolle, alles zermalmende Midtempo-Walzen wie ‚Wash the planet clean‘ und ‚Hail to the chief‘ sind genau die Songs, die ein paar mehr Durchlauf brauchen, bis sie ihre volle Wirkung erzeugen, doch dann ballern sie um so heftiger. Wenn Bruce Hall unwiderstehlichen Zeilen wie „…if there’s a god, why do we need your protection?“ anstimmt, muss man einfach die Fäuste gen Himmel recken zum Heavy Metal-Gebet und die Nackenwirbel zu den Rhythmen der Hohepriester rotieren lassen.

‚Liberty lying bleeding‘ ist ebenso raffiniert komponiert wie betitelt, ein Lied das man so von AGENT STEEL noch nie gehört hat, und mich mächtig beeindruckt. Der düstere-bedrohlich Anfang wird herrlich kontrastiert von klassischen Speed Metal-Eruption, während einen die tonnenschweren Schlagzeug-Gewitter von Rigo Amezcua förmlich in den Wahnsinn treiben. ‚Extinct‘ rattert zunächst im Terrorizer-ICE-Tempo durchs Wohnzimmer, um im Verlauf mit hypnotischen Gitarrensalven und leichtfüssig oben drauf getupften Soli zu fesseln. Die hoch melodischen Strophen von ‚Wormwood‘ erstaunen den Hörer durch ihre Nähe zu Acts Titan Force oder Queensryche. ‚Tiamat’s fall‘ befasst sich wie schon ‚Fashioned from dust‘ mal wieder mit einem der Lieblingsthemen der Band, der sumerischen Mythologie, und ist vielleicht der typischste AGENT STEEL-Song auf „Alienigma“. Zum Abschluss gibt es mit ‚Lamb to the slaughter‘ noch einmal fies-brutal und in Überschallgeschwindigkeit auf die Fresse. Aaaaaaahhh, ist das schön!!!

Mit „Alienigma“ haben AGENT STEEL ihrer Diskographie ein weiteres Meisterwerk hinzu gefügt. Außerdem haben die Jungs das Kunststück fertig gebracht, sich weiter zu entwickeln, ohne an Qualität und Charisma einzubüßen und ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Zwischen diesem Album und der Perfektion stehen nur zwei Nummern, die doch etwas abfallen, weil ihnen die zündende Idee fehlt, und zwar ‚Hybridized‘ und ‚W.P.D. (World pandemic destruction)‘. Das tut meiner grundsätzlichen Begeisterung aber keinen Abbruch. Beide Daumen hoch für die Masters Of Metal, die Agents Of Steel!!!

Keine Kommentare

  1. Christian

    Na, das klingt doch sehr vielversprechend, da muss ich unbedingt mal reinhören. Auch wenn ich, wie du bereits erwähnt hast Martin, die Magie der Achtziger sehr vermisse.

    #384

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