Suche

2012 in 10 Alben – Kristins Jahresrückblick

6. Januar 2013
2012 in 10 Alben – Kristins Jahresrückblick

2012 in 10 Alben – Kristins Jahresrückblick

Zweitausendzwölf ist vorbei. Und neben dem alltäglichen Wahnsinn hat es uns einige wunderschöne Veröffentlichungen geschenkt, die an dieser Stelle noch einmal gewürdigt werden müssen. Ebenso wie Katrin habe ich das Jahr Revue passieren lassen und bin nach etlichen Tagen doch zu einem Ergebnis gekommen, mit dem ich leben kann. In der Summe ist es eine recht schnulzig-poppige Zusammenstellung. Ich bin selbst etwas überrascht, aber immer noch angetan! Meine 10 Herzhüpf-Alben:

Platz 10

Graham Coxon - A+E

Graham Coxon – A+E

Graham Coxon macht den Anfang. „A+E“, das mittlerweile achte Soloalbum des Blur – Gitarristen schlägt nach den letzten Folkpop-Ausflügen eine gänzlich andere Richtung ein. Sperriger, knarziger, elektronischer und trotzdem melodiös. Man könnte von einem ungeschliffenen Rohdiamanten sprechen; „A+E“ ähnelt jedoch vielmehr einem lackierten Backstein. Einfach, kraftvoll und über jeden Schnickschnack erhaben. Graham nölt mit nasaler Stimme drüber – und ich bin glücklich. Die Zeit bis zum nächsten Blur – Release (wenn er denn jemals kommt?) kann man somit entspannt überbrücken. Kein Album zum mal eben reinlauschen – eher das Dauerschleife hören und nie wieder aus dem Kopf kriegen – Prinzip. Dann allerdings wummst „A+E“ gewaltig!

————————————————————————————————————–

Platz 9

Grimes - Visions

Grimes – Visions

Grimes –  alias Claire Boucher avancierte 2012 zur inoffiziellen Königin des Synthiepops. Elfenhafter Gesang untermalt von sphärischen beatlastigen Klängen. Jeder Song ist anders, Ideen wurden aus tausenden von kleinen Schubladen gekramt, zusammen gesetzt, verworfen, angepasst… bis ein Song wie beispielsweise „Oblivion“ entstand. So in etwa stelle ich mir zumindest den Entstehungsprozess von Grimes drittem Studioalbum „Visions“ vor. Die anfängliche Irritation aufgrund des doch recht klebrig-süßen Sounds stellt sich genauso schnell ein, wie sie gekommen ist. Ehe man sich versieht singt man selbst mit kieksiger Stimme mit. Und muss Musik nicht genauso sein?

————————————————————————————————————–

Platz 8

Phillip Boa - Loyalty

Phillip Boa – Loyalty

Vorhang auf für einen, der Niemandem mehr etwas beweisen muss. Der sich selten um die Meinungen anderer schert und sich trotz seines verworrenen Schaffens immer geradlinig durch 30 Jahre  Künstler-Dasein manövriert hat. Phillip Boa ist ein Unikat. Man liebt oder hasst ihn. Der Dandy des deutschen Indierocks liebt und lebt seine Musik. „Loyalty “ ist sein gefühltes 100. Album – und es klingt einfach nur großartig! Keine versponnenen Tracks, die einem (mitunter) die Nerven rauben – dafür jeder Song ein gelungenes Stück solider Feinarbeit. Pia Lund ist auch dabei. Und die Liveumsetzung im Kölner Gloria sorgt bei mir noch immer für einen Endorphinrausch, allein wenn ich daran denke!

————————————————————————————————————–

Platz 7

Chromatics - Kill For Love

Chromatics – Kill For Love

Die Formation aus Portland sorgte im vergangenen Jahr zu Recht für Furore. Chromatics „Kill For Love“ setzt neue Maßstäbe im Bereich des Synthiepops. Natürlich erfindet unser Quartett die Popmusik nicht neu. Man bedient sich vielmehr am grenzenlosen Repertoire des Pop und verpasst dem Ganzen einen warm glänzenden Anstrich. Thematisch bewegt man sich zwischen großen Gefühlen und Herzschmerz. Klingen tut „Kill For Love“ dennoch anders – einfach sehr viel besser als der ganze Rest, der da im Popsumpf vor sich hin dümpelt. Wenn man selbst der Ansicht ist, dass die Musik, die man gerade hört trotz allem nicht kitschig ist, hat der Künstler alles richtig gemacht.

————————————————————————————————————–

Platz 6

Efterklang - Piramida

Efterklang – Piramida

Auf Platz 6 tummeln sich meine Lieblingsdänen (nach D:A:D) von Efterklang. Durchsetzen mussten sie sich gegen Sigur Rós und Múm. Deren Alben das vergangene Jahr zwar genauso bereichert haben, letztlich aber nicht mit Piramida“ mithalten konnten. Ein Konzeptalbum über eine Geisterstadt auf Spitzbergen klingt ja allein schon sehr verlockend. Hört man dann zum ersten Mal in dieses Werk, ist man erstaunt, beseelt und ziemlich beeindruckt. Zusammengesetzt aus tausenden Soundfetzen türmen sich die einzelnen Tracks zu einem majestätischen Gesamtwerk auf. Und weil´s so schön ist, gibt´s anbei noch einmal „Sedna“. Jener Song, in dem dem so lange verstummten Klavier in der Aula Pyramidens neue Klänge entlockt werden.

————————————————————————————————————–

Platz 5

Man Without Country - Foe

Man Without Country – Foe

Man Without Country sind noch so eine fabelhafte Neuentdeckung! Walisisches Duo mit wuchtigem shoegazigem Pop, der an die Cocteau Twins und ganz besonders an die Pet Shop Boys erinnert. Dominiert wird ihr Debütalbum „Foe“ von treibenden Drums. Der Gesang unterstreicht die Songs vielmehr, als im Vordergrund zu stehen. Ein Album, das auch in Tanzmuffeln wie mir (wenigstens) ein heftiges Füßewippen hervorruft. Mit Leichtigkeit. Bitte mehr davon!

————————————————————————————————————–

Platz 4

Crystal Castles - III

Crystal Castles – III

Alice Glass und Ethan Kath aka Crystal Castles stehen für einen bizarren, stellenweise beängstigendem Mix aus Electro und Noise. Zu gerne beschäftigt man sich mit Themen, die entgegengesetzt der Normalität verlaufen. Für ihr drittes selbstbetiteltes Album „III“ stieg man hinab in die Tiefen der Seele, vertonte die dunklen Flecken in der Geschichte der Menschheit – um es mal ganz pathetisch zu formulieren. Pest, Petroleum und der Zorn Gottes. Verstörend werden Crystal Castles immer sein. Aber ebenso verdammt gut in dem was sie tun. Wenn so die Apokalypse aussieht, dann rockt sie wenigstens.

————————————————————————————————————–

Platz 3

2:54 - 2:54

2:54 – 2:54

Darling Dont Dance - City Ghosts

Darling Dont Dance – City Ghosts

Den dritten Platz teilen sich 2:54 und Darling Don´t Dance, weil ich mich nicht entscheiden konnte… Das englische Schwesternduo von 2:54 liefert poplastigen Shoegaze, die Mädels von Darling Don´t Dance gehen die Sache auf  „City Ghosts“ etwas rauer an. Shoegaze vs. melodischer Garagerock. In beiden Fällen handelt es sich um die erste Veröffentlichung. Und beide klingen überraschend versiert und eingängig. Und da ich beide Alben so gut – und Listen eigentlich doof finde, werden die dänischen und englischen Damen zusammen auf Platz drei abgelegt.

————————————————————————————————————–

Platz 2

Dikta - Trust Me

Dikta – Trust Me

Dikta…. Schwermütige Isländer, die eben jene Musik machen, die in die kalte Jahreszeit passt. Die bei näherer Betrachtung allerdings immer passt, wenn man selbst für nur einen Moment in sich geht. „Trust Me“ ist ungelogen und unübertrieben eines der schönsten Alben, das jemals veröffentlicht wurde. Zugegeben: vertonter Frohsinn klingt anders. Aber wer braucht schon Trubel und Heiterkeit, wenn er etwas Wärmendes für Herz und Seele haben kann?

————————————————————————————————————–

Platz 1

Orph - Poems For Kui

Orph – Poems For Kui

Orph aus Weimar. Meine Nummer 1! Wieso – weshalb – warum? Darum: An einem Novembertag spielten Orph als Support von Phillip Boa. Für gewöhnlich eine undankbare Aufgabe. Orph agierten jedoch so bezaubernd, dass im Anschluss direkt ihr Erstlingswerk „Poems For Kui“ erworben wurde. Die Musik der Weimaraner in Worte zu fassen ist schier unmöglich, so komplex und so leicht zugleich ist sie. Alternativ, elektronisch, klassisch, hörspielartig – alle Beschreibungen passen, der Kern ihrer Inspiration liegt dennoch verborgen. Vielleicht muss man eine Weile durch den Irrgarten des besungenen Landes „O“ tanzen, um das Geheimnis zu lüften. Auf geht´s:

Orph — The King’s Garden (Official Video) from Nivre on Vimeo.

————————————————————————————————————–

Das war 2012. Es wurden sicher einige Releases vergessen (The XX, Archive etc.). Seht es uns nach. Wir blicken auf die anstehenden 12 Monate und auf das, was wohl alles kommen mag. Esben And The Witch legen im Januar nach. William Fitzsimmons kündigte für 2013 ebenso ein neues Album an. Für das neue Jahr wünsche ich mir Veröffentlichungen von: Editors, White Lies, Warpaint, I Heart Sharks und French Films. Danke für die die Umsetzung. :-)

Schreib einen Kommentar