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Dresdner Nahaufnahme: DORNENREICH und Agrypnie | 14.02.2011

9. März 2011

AGRYPNIE und DORNENREICH @ Club Puschkin, Dresden | 14.02.2011

Viele Worte sind gesagt. Etwas kompakter will ich es hier machen, wenn ich auch mit gleichgroßer Spannung ebenso dem Bühnenteil des Abends entgegenfieberte.

Sehr fleißig war bisher die Band um Sänger Torsten “Der Unhold” Hirsch, ehemals Leitwolf bei den im Jahr 2006 aufgelösten Nocte Obducta. Mittlerweile kann der im Heute angekommene Post Black Metal auf drei hervorragende Alben zurückblicken. Zuletzt veröffentlichten AGRYPNIE im Januar 2010 die Platte “16[485]” und mit den ersten Stücken eben jenen Albums zog die Band das Publikum im Club Puschkin gleich auf ihre Seite. “Figur 109-3″ und “Der tote Trakt” veranlassten die ersten Reihen, wohlbekannt mit dem Material der Band, zu reger Bewegung im Nackenbereich. Dann wurde es mit “Kerkerseelenwanderung”, meinem persönlichen Favoriten vom Debütalbum Agrypnies, zunächst etwas ruhiger, wenn auch nicht weniger erdrückend in Sachen Stimmung, die vor allem Frontmann Torsten durch gestenreiche Theatralik passend zu verbreiten musste. Live gewinnt das Stück noch mal ganz klar an Druck durch das “echte Schlagzeug”, wo auf dem ersten Album wahnwitzig penibelgenau noch ein Drumcomputer tockerte und sich hie und da in unmenschlichen Manövern überschlug. Übrigens wurde der mittlerweile menschliche Agrypnie-Drummer René an jenem Abend vom Hellscape-Drummer Phil ersetzt. Und trotz der doch rechthäufig wechselnden (Live-)Besetzung agierten Agrypnie als gut aufeinander eingespielte Band. Eine Band, wie sie besser zu Dornenreich nicht passen könnte. Agrypnie arbeiten derzeit auch schon wieder an einem neuen Album, das den Namen “Asche” tragen wird. Angekündigt werden die acht neuen Stücke als “das bisher depressivste und melancholischste Material in der Bandgeschichte”. In Dresden gab’s leider noch nichts Neues zu hören, wohl aber eine gut ausgewogene Mischung der vergangenen Jahre:

Setliste:

Figur 109-3
Der tote Trakt
Kerkerseelenwanderung
Und führet mich nicht in Versuchung
Morgen
Fenster zum Hof
Schlaf

Großes Entzücken, als nur Evíga und Inve die Bühne betraten. Beginnen würde man also mit einigen Akustikstücken, die sich wunderbarerweise gleich als ganzes Akustikset entpuppten. Bereits im Jahr 2007 – damals waren die Stücke von “In Luft geritzt” noch taufrisch – wohnte ich im Rahmen des WGT einem gut gefüllten aber dennoch sehr intimen DORNENREICH-Akustikauftritt bei, gut ein Jahr später noch einmal an gleicher Stelle mit Devon Graves und wusste daher: Dornenreich akustisch – immer ein ganz besonderes Erlebnis. Doch nicht nur Stücke des Akustikalbums haben es ins Dresdner Liveset geschafft. Den Opener “Urig” musste ich mir erst “ergoogeln”, noch nie gehört, aber schön treibend und vor allem sehr gut zu den in Luft geritzten Stücken passend. Auch äußerst stimmig in diesem Fall die in Blau getauchte Bühne, wohl angelehnt an das Artwork der Akustikscheibe, und die wohlgerundete Soundabmischung des Abends. Großtat des akustischen Reigens: “Meer”.

“Ich brach manches Ruder, warf andere fort,
Ich finde kein Maß an diesem Ort”

Nach einer kurzen Umbaupause und dem Hinzukommen von Drummer Gildan sollte sie dann auch kommen, die von Jochen bereits eher am Abend angekündigte “Stromversion” von “Jagd”, meinem sich langsam zum Sprung aufbäumenden Lieblingsstück des vorletzten Albums. Und ja, die wölfische Wildheit (“Denn jetzt bin ich… Jagd!”) funktioniert ganz hervorragend im “Heavygewand”, spätestens bei “Flammenmensch” muss man dann aber feststellen, dass das kühle Licht nun ganz und gar nicht mehr zur hitzigen Stimmung des neuen Albums passen mag. Denn schon Rambo wusste: “Blaues Licht… Es leuchtet blau.” Nagut, wir wollen nicht zu arg ins Gericht gehen, aber ein warm “loderndes” Element auf der Bühne hätte der Stimmung deutlich zugetragen. Die neuen Stücke wurden – trotz Montag – dennoch schon sehr ausgiebig vom gut besuchten Club Puschkin gefeiert, trotz nur einer Gitarre und keinem Bass gab’s ordentlich Druck (wohl auch dank des “Hexengekessels” von Schlagzeuger Moritz) und vorn ließ man sich zu einer interessanten Mischung aus Tanz und Nackenmuskelkontraktion hinreißen. Am Ende erscholl aber vor allem ein Ruf ganz laut: “Trauerbrandung”. Die gab es dann aufs Wort als Zugabe, nur noch gefolgt von “Wer hat Angst vor Einsamkeit?” Niemand natürlich. Zumindest nicht an diesem Abend, an welchem noch viele entspannt mit der Band zusammenstanden, sich Poster und wertvolle Güter wie die hübsche limitierte “Flammentriebe”-Box – übrigens mit wunderbarer Flagge innenliegend! – signieren ließen und dem Wochenstart noch lange trotzten…

Setliste:

Urig
Freitanz
Meer
Der Hexe nächtlich’ Ritt
Drang
Dem Wind geboren
Reime faucht der Märchensarg

Jagd
Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz
Flammenmensch
Der wunde Trieb
Der Hexe flammend’ Blick
Tief im Land
In allem Weben
Leben lechzend Herzgeflüster

Trauerbrandung
Wer hat Angst vor Einsamkeit?

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