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ROSE KEMP – unterwegs mit Dornen und Blütenblättern

17. Januar 2009

Neulich, zwischen zwei Rockzoomern...

Rose Kemp - 09.01.2009 #22 JLE: Ja. LAUT. Meine Begleitung stand direkt neben den Boxen und hatte teilweise etwas Probleme zu folgen, weil es doch brachial dröhnte. Aber genau das brauchte ich irgendwie an dem Abend, na ja und außerdem bin ich ja dann auch in gewisser Weise durch das Fotografieren abgelenkt und da kann es um mich herum dröhnen und scheppern und es macht mir nichts aus. Es sei denn Manowar spielen gerade, wobei es bei denen eher alles nach Karambolage klingt. Es ist ja auch positiv gemeint, mit dem Dröhnen. Denn auch wenn die ersten Höreindrücke “off-stage” nicht auf ein Meer von dahinschmachtenden Balladen hindeuteten, so konnte man wenn überhaupt nur erahnen, dass es derartig doomig und klanggewaltig auf der Bühne herüberkommen würde. Mich hat das überwältigt. Man geht schon mit einem überaus positiven Gefühl aufgrund der vielen Höreindrücke von Streams und Audiotracks in so ein Konzert und dann wird man zusätzlich noch derartig weggeblasen. Neben dem Konzertraum befand sich übrigens ein Kickertisch, wo weniger Interessierte bis zum Anschlag herumgrölten, zumindest bei besonderen Erfolgserlebnissen. Ausgerechnet auch direkt nach dem ersten Song. Wo sich bei einem selbst schon leichte Reizerscheinungen bemerkbar machten, reagierte Rose extrem cool und ahmte die Kehlkopfhelden erstmal extatisch nach. Wuuubuuuhaaääääää. Sie wippte mit dem Körper hin und her und hielt ihren Gitarrenkopf fast an die Nase, wie auch später des öfteren. Wohl ein Markenzeichen bei ihr: die Gitarre so innig an den Körper zu ziehen. Ihr Gefühlsausbruch wirkte aber keinesfalls verachtend. Ihr Bärenschrei deutete auf Verständnis hin und im Laufe es Konzerts wurde sie immer zutraulicher und bedankte sich mehrmals bei den Besuchern, dass sie “heute” erschienen sind, um “die Band” … oder sagen wir mal “die Rose, den Stiel und die Blätter” live zu erleben.


KKR: Hübsches Bild. Da muss ich mich ja richtig schämen, vorhin nen Apfel aus ihr gemacht zu haben, haha. Ja zutraulicher wurde sie dann auch. Es gab einen kurzen Mittelblock, da sind Stiel und Blätter von der Bühne geweht und ließen Rose, fast ganz ohne Dornen diesmal, allein im Dunkel. Nur sie und ihre Telecaster-Gitarre. Rose Kemp - 09.01.2009 #19 Übrigens stand sie genau so – allein, ohne Band – vor nicht allzu langer Zeit im Vorprogramm von Woven Hand(!) auf der Bühne des Bielefelder Forums… Tja, und wir haben’s verpasst, besonders du, Jana! Wirklich schade, denn Rose passt ganz hervorragend zum düsteren “Countrysound” von David Eugene Edwards und seinen Begleitern. Doch erstmal zurück nach Leipzig… wo Rose mittlerweile ein paar einzelne Gitarrentöne live auf der Bühne aufnahm und abspielte und sich während ihrer hochemotionalen Darbietung des ruhigen “Nature’s Hymn” gleich doppelt begleitete, rechnet man das wunderschön getragene Gitarrensolo hinzu. Mein persönlicher Höhepunkt war dann das anschließende “Flawless”, bei dem ich noch immer eine Gänsehaut bekomme, allein wenn ich nur daran denke. So minimalistisch, fast ausschließlich von diesem intimen Gesang bestimmt; einen so natürlichen, ehrlichen und dennoch glockenklaren Gesang, den man sich in keiner klassischen Ausbildung aneignet, den man stattdessen im Blut hat, von zwei ausgezeichneten Folkmusikern mitgeliefert bekommt. Grandioser Höhepunkt auf den noch ein weiterer Song dieser ganz nahen Art folgte, bevor es mit Band wieder ordentlich loskrachte, ein unsanfter Weckruf aus einem tiefberührenden Traum…


JLE: Kannst du dir vorstellen, dass während der ruhigen Phase die Kickermenschen immer noch am Rumquäken waren? Bei mir paarte sich also positive Erregung mit verwirrter. Wobei… der Rose hat das ja alles scheinbar nichts ausgemacht Ich liebe das übrigens: Konzerte mit Kontrastprogramm. Und bei ihr funktioniert das so herrlich. Wenn ich sie noch einmal sehe, werde ich bei “Flawless” sicher weinen. Dieser Song kitzelt die Nerven. Schlimmer als Zwiebelschneiden. Das hat nicht mal was damit zu tun, dass ich zugegebenermaßen nahe am Wasser gebaut bin. Manche Dinge kann man einfach nicht aufhalten. Rose Kemp - 09.01.2009 #28 Ansonsten scheint sich der Ablauf in Leipzig mit dem in Bielefeld zu überschneiden. Kann deine Ausführungen nämlich komplett so unterstreichen. Du hast vorhin von der technischen Ausstattung des Bassisten so geschwärmt. Ich fand das auch reichlich imposant und musste ständig die Kamera draufhalten. Na ja, die Effektgeräte genossen mehr Lichtwärme als sein Gesicht. Aber daran hat es wirklich nicht gelegen Über seinem Kopf schwebte allerdings ein kräftiger Scheinwerfer, der ab und an Corona-Haar-Effekte erzeugte. Als wenn die Effektmöglichkeiten am Fuß nicht schon genug waren. Irgendwie merkte man auch mal wieder, dass eine gute Show kein Hintergrundgedaddel benötigt, keine hüpfenden Kreaturen, keine großen Worte. Ein gutes Konzert definiert sich im Endeffekt durch Können und Charisma. Und Rose Kemp, so oft wir das wohl schon angepriesen haben, besitzt beides zusammen in doppelten Maße. Vielleicht aufgrund der ebenso musikalischen Eltern. Da konnte ja nur ein kreativ talentierter Nachkömmling heranwachsen.


KKR: Ich würd das gern so stehen lassen… Das war wirklich etwas ganz Besonderes. Und hoffentlich hat sich die Rose nicht durch die verhaltenen Reaktionen des Leipziger Publikums abschrecken lassen und kommt mal wieder in unsere schöne Stadt… Rose Kemp - 09.01.2009 #31 Allein schon, weil ich doch auch noch die neue Platte “Unholy Majesty” als LP brauche! Blöd, wenn man an so einem Abend einfach kein Geld mehr im Portemonnaie hat. Ich bin jetzt wirklich neidisch auf deine Platte! Hast du dir denn nach deinem Kauf nun (wieder?) einen Plattenspieler zugelegt? Falls nicht wäre dieses Vinyl doch ein guter Grund…


JLE: Du sagst es. Ein Plattenspieler wird meine nächste Errungenschaft sein. Und die Nadel wird mein Rosenstachel. Das Vinyl ist übrigens blutrot, um dich mal noch mehr zu beeindrucken. Oder soll ich rosenrot sagen? Bestimmt.

>> ZU ALLEN BILDERN von Rose Kemp

» Rose Kemp bei MySpace: www.myspace.com/rosekemp

Fotos: Jana Legler
Text: Katrin Kropf, Jana Legler

3 Kommentare

  1. Dieter Lange

    Hi, ich kann alles was die naTo betrifft, nur bestätigen. Rose hatte einige Monate später beim Herzberg-Festival noch einen fast mystischen Auftritt. Zuvor spielten Gong bei strömenden Regen. Dann Umbaupause und pünklich zu Beginn hatte der Himmel ein Einsehen. Es war lange nach Mitternacht anfangs standen ein paar verlorene Gestalten.
    Zum Teufel dachte ich, das hat sie nicht verdient. Nach den ersten Tönen füllte sich die Wiese zum Glück und Rose nebst ihrer Band (diesmal mit Keyboarder) liefen zu Höchstform auf. Ein absolutes Highlight.
    Die Pics sind toll.
    Vor 1 1/2 Jahren habe ich sie noch bei einer Solo-Performance in der Theaterfabrik erlebt, sie spielte “Skizzen” aus ihrem Golden Shroud – Album, beeindruckend.

    #3523

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