ROSE KEMP – unterwegs mit Dornen und Blütenblättern
Neulich, zwischen zwei Rockzoomern...
Katrin Kropf (KKR): Ich kann mich eigentlich nicht gar nicht oft genug bedanken für deinen Tipp von vor ein paar Tagen… Rose Kemp…
Jana Legler (JLE): Ich weiß. Meine neue Göttin. Man muss sich schon drauf einlassen irgendwie, aber wenn man es getan hat, dann ist man gefangen.
KKR: Gefangen, genau. Das trifft es wirklich gut. Live kam das Ganze in Leipzig noch viel besser herüber… Kannte vorher ja auch nur die Songs von der Myspace-Seite. Und das ist eigentlich so gar keine Myspace-Musik, die man mal eben beim Herumsurfen nebenbei hört.
JLE: Also, bei mir fing es so an, dass ich recherchierte, was demnächst bei mir in der Umgebung so an guten Konzerten stattfindet. Ich bin ja doch gerne Entdecker. Irgendwie. Im Forum in Bielefeld sollte am 9.1. eine gewisse Rose Kemp auf der Bühne stehen. Sie war wohl vor ein paar Wochen erst dort Gast, als Vorband für eine Band, die mir ebenso wenig ein Begriff war… Die Beschreibung zu der Dame klang super spannend. Das Bild von ihr sprach mich ebenfalls an, da kommt halt immer wieder der Fotograf in mir durch, haha. Und ich hab ratzfatz mal ihren Namen auf MySpace eingegeben und ich war echt vom ersten Moment an erstarrt. Erfreut. Bei mir wurde sofort der Gedanke wach, dass ich endlich mal wieder eine weibliche Künstlerin gefunden habe, die es wert ist sie irgendwie… öhm… zu verehren. Weil mir ihr Gesamtsound so unter die Haut ging. Ich habe mir dann auch umgehend ihre beiden Alben bestellt. Wollte vorm Konzert natürlich noch etwas an weiteren Vorabimpressionen aufsaugen.
KKR: Da bist du wesentlich vorbereiteter in deinen Auftritt gegangen als ich, haha. Ich hab im Vorfeld mal auf ein bisschen auf www.last.fm herumgeschaut, ist ja auch immer mal ganz gut, um neue Sachen kennenzulernen. Da ist mir erstmal eine sehr bunt gemischte Beschreibung ins Auge gefallen: “Ihre Wurzeln liegen in der Folkmusik. Inzwischen mischt sie Folk mit Doom, Drone, Stoner Rock und Black Metal.” Klingt äußerst vielversprechend. Und dann ist sie noch die Tochter von zwei Steeleye Span-Musikern. Das Witzige ist ja, dass ich in den letzten Wochen recht häufig Steeleye Span-Schallplatten gehört habe. War ne recht bekannte britische Folk Rock-Truppe in den 70er Jahren, jedoch wesentlich fröhlicher und beschwingter – schon beinahe naiv – als Rose heutzutage. Von wegen “Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm”. Der Apfel hat zwar irgendwie was mit dem Stamm zu tun – er kann singen und man schmeckt in ihm diese typische enorme Bandbreite und Sympathie der Folksängerinnen – aber dieser Apfel rollt auch durch ziemlich matschige Pfützen, über Berge hinweg und grollende Wasserfälle hinab. Unser Apfel ist ein Entdecker-Früchtchen und scheut sich nicht, sich auf eine große Reise abseits ausgetretener Pfade zu begeben…
JLE: Ja, ausgetretene Pfade… das beschreibst auch du treffend! Es gibt ja so viel Neues, Tolles, Interessantes. Aber oft erwischt man sich sogar inmitten seiner eigenen Extase und stellt fest… ja, der und der… und die und die… die klingen ja schon ähnlich. Bei Rose Kemp habe ich seit langem mal wieder Gefühl, dass da etwas heranwächst, was vollkommen eigenständig klingt. Gewisse Soundmomente waren gewiss auch schon da, aber Rose klingt so schön eigenwillig. So eine Tori Amos des Rock’N'Roll irgendwie. Ich finde es amüsant, dass sie dabei relativ gelassen wirkt.
Sie macht einfach ihr Ding. Vielleicht sollten wir mal auf unsere Konzerterlebnisse umschwenken… Zumindest kann ich jetzt schon mal sagen, dass ich mir in Bielefeld nach ihrem Konzert seit Ewigkeiten mal wieder eine LP gekauft habe. Von ihr. Und dabei hab ich nicht mal einen Plattenspieler. Das gleicht einer Liebeserklärung.
KKR: Jetzt hast du sie ja doch wieder mit jemandem verglichen, haha. Vielleicht auch eine Kate Bush des Sludge? Haha. Alles Blödsinn irgendwie. Man muss es wohl mal selbst richtig erlebt haben. Und das geht am besten über die Dame selbst. Ich war letzten Sonntag in der kleinen beschaulichen Leipziger naTo, die sich hin und wieder der Reihe “Noise Club” hingibt… Ich glaube nicht, dass man Rose Kemp hier wirklich kennt. Es waren so um die 100 Leute da, voll war es nicht gerade, das anwesende Publikum sehr… äh, zivilisiert und wohl genauso wenig vorbereitet auf das Bevorstehende wie ich. Es war zu Beginn jedenfalls totenstill… Alle waren dennoch mordsgespannt und nicht wenig überrascht, als eine junge Dame mit Umhang und Kapuze, begleitet von nur einem Drummer und einem Bassisten die Bühne betrat…





































Sehr lecker und hübsch.
klasse
Hi, ich kann alles was die naTo betrifft, nur bestätigen. Rose hatte einige Monate später beim Herzberg-Festival noch einen fast mystischen Auftritt. Zuvor spielten Gong bei strömenden Regen. Dann Umbaupause und pünklich zu Beginn hatte der Himmel ein Einsehen. Es war lange nach Mitternacht anfangs standen ein paar verlorene Gestalten.
Zum Teufel dachte ich, das hat sie nicht verdient. Nach den ersten Tönen füllte sich die Wiese zum Glück und Rose nebst ihrer Band (diesmal mit Keyboarder) liefen zu Höchstform auf. Ein absolutes Highlight.
Die Pics sind toll.
Vor 1 1/2 Jahren habe ich sie noch bei einer Solo-Performance in der Theaterfabrik erlebt, sie spielte “Skizzen” aus ihrem Golden Shroud – Album, beeindruckend.