Unser Herz für ehrliche und laute Rockmusik …….
Kurzes Szenengespräch mit Andy Müller:
Vor etwa einem Jahr habt ihr mit eurer Idee in den „Kult Hallen“ der Universitätsstadt Marburg angefangen und konntet diese vom Start weg in der Gesamtkapazität völlig ausreizen. – Für dieses Jahr packt ihr verbunden mit einem Ortswechsel einige Schippen rauf, vervierfacht das Bandangebot nahezu und gestaltet die letztjährige Tagesveranstaltung nun in ein umfangreiches Wochenendspektakel um. – Warum dieser sicherlich mit deutlich mehr Risiko behaftete Schritt?
Andy Müller: Letztes Jahr waren wir in der Tat mit über 1000 Personen komplett ausverkauft. Unteranderem sogar soweit, dass wir zu unserem bedauern, rund 150 Personen an der Abendkasse wieder nach Hause schicken mussten. Dabei stand jedoch schon damals der diesjährige Austragungsort, die Hessenhalle in Alsfeld, als mögliche Veranstaltungsstätte im Gespräch, doch die Resonanz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher genug abzuschätzen, weshalb wir uns dann zunächst für das „Kult“ in Marburg entschieden. Die Entscheidung, daraus nun ein mehrtägiges Festival werden zu lassen, ist zum einen sicherlich in diesem Erfolg zu suchen, liegt zum anderen aber auch an dem, wie wir finden, recht ungewöhnlichem und dadurch zu etwas “besonderem” werdenden Konzept der „Ehrlich & Laut Rocknacht“. Dies und der eigene Enthusiasmus, den wir als Veranstalter dieser Musikgattung gegenüber mitbringen, hat uns dazu bewogen, ein Hallenfestival entstehen zu lassen, welches viele Unterarten des Rock‘n‘Roll mit deutschsprachigem Schwerpunkt vereint und repräsentiert. Ich denke dies sollten wir bis hierher auch geschafft haben, denn die Resonanzen die wir aus den verschiedenen Berührungsbereichen erhalten, geben uns hier jedenfalls schon einmal die nötige Sicherheit. Dennoch ist das Risiko, wie Du schon richtig erwähnt hast, um ein vielfaches höher als im letzten Jahr.
… und entsprechend benötigt ihr auch einen sportlichen Zuwachs von einigen tausend neuen Besuchern. – Auf welche Veränderungen können sich die Besucher von 2007 und heuer denn hierbei freuen?
Andy Müller: Nun, wir wollen es nicht mit der Brechstange versuchen, sondern einen gesunden Wachstum zelebrieren. Ein Festival wie dieses muss sich mit den Jahren entwickeln und sicherlich gehen wir hier auch nicht blauäugig an die Sache heran. Um wohlmöglich eine Halle die für 6000 Besucher ausgelegt ist, bis zum Anschlag füllen zu können, investieren wir natürlich auch einen wesentlich grösseren Teil in Werbung, wie es vielleicht andere bereits etablierte Festivals tun müssen. Wenn dann am Ende die Besucher viele ihrer Lieblingsbands sehen können oder wohlmöglich auch neue Perlen für sich entdecken, hat sich die Investition bereits gelohnt und mit dem eigens angelegten Zeltplatz, wofür wir extra eine zusätzliche Fläche von 50000 qm Fläche organisiert haben, wollen wir zu einem festivalähnlicherem Feeling beitragen, während die Konzerte innerhalb der direkt benachbarten Halle wetterunabhängig über die Bühnen gehen können.
Mit genau diesem Konzept, also die Künstler innerhalb der Halle auftreten zu lassen, während die Besucher alternativ vor der Halle kampieren, frische Luft tanken oder Strassenfussball spielen können, habt ihr sicherlich einen guten Mittelweg gefunden, der das Schlüsselthema einer solchen Veranstaltung vor höherer Gewalt schützt, ohne dass dabei die Freunde dieser Musik auf den Kult verzichten müssen, der für ein Sommerfestival wichtig ist.
Dennoch und Du sagtest es ja auch bereits: Neben Euch gibt es weitere Festivals dieser oder jedenfalls einer ähnlicher Gangart, die auch erst jüngst – sagen wir mal innerhalb der letzten drei Jahre – geboren wurden und damit auch recht erfolgreich agieren. Warum genau habt Ihr Euch hier nun mit eingereiht? – Immerhin kann der Enthusiasmus der Musik gegenüber auch wunderbar aus der Besuchersicht gelebt werden. – Wer steckt also hinter dieser Jahresveranstaltung, die bereits im Gründungsjahr vollends ausverkauft war und in diesem Jahr die „Creme de la Creme“ auf die Bühne schickt?
Andy Müller: Auf gar keinen Fall wollen wir uns mit den großen Festivals in Deutschland messen. Wir sind gar stets bemüht, nicht mit anderen artverwandten Veranstaltungen in die Quere zu kommen und würdigen die Arbeit jedes Veranstalters, die er in seine Sache steckt. – Entsprechend haben wir in den letzten Jahren natürlich das “ein oder andere” größere und kleinere Festival besucht und gerade durch die Tätigkeiten unserer eigenen Bandcrews mussten wir hier, gerade bei den kleineren, leider dennoch häufig feststellen, dass viele Veranstalter recht holprig oder wenig produktiv agieren. Irgendwann haben wir uns dann gesagt: Das wollen wir besser hinkriegen, ohne darüber nachzudenken, welch enormer Rattenschwanz an Arbeit und Aufwand hinter einer solchen Aussage steckt. Hätte uns das vorher jemand gesagt, wäre der eine oder andere von uns vielleicht doch lieber als Zuschauer in der ersten Reihe geblieben. Letztlich ist es ja auch nicht so, dass sich der Aufwand und auch das Risiko bei größerer Gästezahl proportional verhält, sondern es erhöht sich um ein vielfaches. Nur durch ein verdammt geiles Team, welches sich aus vielen freiwilligen Helfern zusammensetzt, welche mit bedingungsloser Unterstützung zu Werke gehen, können wir das ganze Ding überhaupt adäquat meistern und hierbei möchte ich auch niemand besonders herausstellen, denn jeder trägt einen ganz wichtigen Teil zum Gelingen bei und dazu gehören natürlich auch die Besucher.
Aus der Besuchersicht sieht man jedoch nicht immer, was hinter den Kulissen eigentlich wirklich für eine Arbeit geleistet wird und das diese wirklich häufig auf ehrenamtlicher Basis oder eben einfach aus der Euphorie heraus geleistet wird. Dabei spielt sich der Aufwand ja auch nicht nur während der Veranstaltungstage selber ab, sondern begleitet einen mehrere Monate vor und nach so einem Ereignis. Hat ein Festival dann auch noch einige Jahre als Referenz auf dem Buckel, kommt noch der Anspruch hinzu, auf die sich immer höher schraubenden Erwartungshaltungen eingehen zu können.
- In Eurem Fall seid ihr da ja im Moment auf einem guten Weg: Ihr habt die Schlüsselkapellen des Vorjahres reanimiert und mehr als ein Dutzend weiterer Highlights aus der gesellschaftskritischen und schweißgetränkten Musikecke als Verstärkung hinzugenommen. In der Tat ließt es sich hierbei wie die „Creme de la Creme“ und eine handverlesende Auswahl der persönlichen Favoriten. Seid ihr also aktiv auf die auserwählten Bands zugegangen, welche ihr seit Jahren in den eigenen Plattenregalen zu stehen habt oder habt ihr euch ausschliesslich durch unzählige Bewerbungen gewühlt?
Kurzum: Wie entstand eigentlich dieses wertvolle Bandaufgebot?
Andy Müllter: Es war wirklich so, dass wir in einem kleinen handverlesenen Gremium, unsere Bandauswahl trafen und weiter trifft es vollkommen zu, dass der wesentlichste Teil der gebuchten Bands, aus dem eigenen Geschmack und dem langjährigen “Selbsthören” hervorgegangen ist. Ein weiterer großer Gesichtspunkt war zudem das ausgewogene Zusammenspiel der verschiedenen Stilrichtungen. Wir glauben, dass wir so für jeden einen persönlichen Favoriten finden konnten, sich es jedoch auch gleichzeitig lohnt, all den anderen Bands mit Anwesenheit Tribut zu zollen. – Während die Bandanfragen im ersten Jahr übrigens noch relativ verhalten waren, wurden wir ergänzend zu den ohnehin bereits gebucht gewesenen Bands, in diesem Jahr mit Anfragen für 2008 und inzwischen bereits für 2009 förmlich überrollt. Diese Resonanz überraschte uns doch immens, aber freut uns natürlich auch ebenso sehr. Das zeigt uns jedenfalls, dass die Öffentlichkeit interessiert ist und wir wohl auch nach 2008 am Ball bleiben können. Dabei wollen wir dann auch den jungen, noch nachrutschenden Bands eine Chance einräumen, um sich einer breiten Masse zu präsentieren.
Vielen Dank für das kurze Gespräche und natürlich die besten Wünsche für ein paar anständige Sonnenstrahlen und eine gute Stimmung in der ersten vollen Augustwoche. – Letztlich soll Euer Engagement ja auch mit einer positiven Gesamtatmosphäre verbunden sein und dazu gehört eben auch ein zufriedener und durch die Sonne beflügelter Mopp. – Wir sehen uns …….



































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