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SLOUGH FEG: “Hardworlder”

11. August 2007

Wer seinen Heavy Metal melodisch, kraftvoll, true, eigenwillig und originell mag, gehört wahrscheinlich – oder sollte ich sagen: hoffentlich!? – zur kleinen, aber feinen und treuen Armee der Fans von (THE LORD WEIRD) SLOUGH FEG. Die einzigartige Musik dieser 1990 ins Leben gerufenen Formation, die episch-feierlichen Heavy Metal auf wunderbare Weise mit Siebziger-Heavy Rock und keltischen Einflüssen vermischt, stammt aus der Feder von Gitarrist und Sänger Mike Scalzi.
Jener seltsame Bandname ist angelehnt an eine Figur aus dem Ta’in Bo Cuailnge (frei übersetzt: “Der Viehdiebstahl von Cooley”). Diese überlieferte Geschichte aus dem “Ulster Cycle” ist ein bedeutendes Element der vorchristlichen irischen Mythologie und ebenso Inspirationsquelle diverser SLOUGH FEG-Texte. Auf fünf Studioalben können Mike und seine wechselnden Mitstreiter bereits zurückblicken, von denen mindestens vier in jede vernünftige Metal-Sammlung gehören. Lediglich auf der letzten Scheibe “Atavism” schwächelten SLOUGH FEG ein bisschen. Die Songs wirkten etwas zerfahren und fragmentarisch und konnten sich nicht so eindringlich im Hirn und in der Seele festsetzen wie man es von Scalzi-Kompositionen eigentlich gewohnt war.
Am 24.08.2007 erscheint nun offiziell in Deutschland das neue Album “Hardworlder” über das kultige italienische Label Cruz Del Sur. Katrin Kropf schnappt sich den Master of Disaster zu einer Prelistening Session, die ihr übrigens allesamt selbst durchführen könnt, denn Cruz Del Sur ermöglichen es euch, das gesamte Album als Stream anzuhören. Den entsprechenden Link findet ihr am Ende dieses Beitrags.

Hardworlder (2007)
Slough Feg - Hardworlder (2007)

1. The Return of Dr. Universe
2. Tiger! Tiger!
3. The Sea Wolf
4. Hardworlder
5. The Spoils
6. Frankfurt-Hahn Airport Blues
7. Galactic Nomad
8. Dearg Doom
9. Insomnia
10. Poisoned Treasures
11. Karma-Kazee
12. Whirling Vortex
13. Street Jammer

1. The Return of Dr. Universe:
Katrin: Wer auch immer dieser Dr. Universe ist: Er weiß in diesem groovenden Instrumental mit der heilenden Wirkung fetter Gitarren umzugehen!
Master of Disaster: Hübsches Intro in der Tat mit dieser so typischen, supergeil melodischen Mike Scalzi-Klampfe.

2. Tiger! Tiger!
Katrin: Ich glaube das wird mal ein ganz großer Liveknüller, geiler Refrain… schöne Harmonien im Mittelteil…
Master of Disaster: Bin total froh, dass SLOUGH FEG mit dem Opener an den epischen Sound ihres “Traveller”-Albums anknüpfen. Die keltischen Thin Lizzy-Leads sind sofort überall, der Song hat sowohl was Majestätisches als auch Entspanntes und ist ein absoluter Ohrwurm. Erinnert mich vom Feeling her ein bisschen an die letzte Hammers of Misfortune-Götterplatte.

3. The Sea Wolf
Katrin: Irgendwie schunkelig… oder besser gesagt: smooth durch Raum und Zeit gleitend!
Master of Disaster: Stimmt, der Anfang könnte auch von Skyclad stammen. Hat irgendwie was Bekifftes der Song, finde ich lange nicht so gut und spannend wie ‘Tiger! Tiger!’ Interessant ist aber, dass Meister Scalzi wie auf dem futuristischen “Traveller” wieder mit diesen Science-Fiction-Themen spielt und so eine skurril-sympathische, altmodische Raumfahrer-Romantik verbreitet.

4. Hardworlder
Katrin: Auch hier kann man sich ganz entspannt mit nem hübschen Erfrischungsgetränk zurücklehnen. Mike Scalzi hat zwar ne verdammt geile Stimme, aber seine Gitarrengespräche mit Angelo Tringali sind fast noch genialer.
Master of Disaster: Braucht ziemlich lange, der Song, bis er richtig in Fahrt kommt. Dafür wird’s dann um so geiler, diese Strophenmelodien sind genau das, wofür ich SLOUGH FEG so liebe. Das Stilelement mit den Melody-Leads kontrastiert von sanft groovender Rhythmus-Gitarre wird auf dieser Scheibe offenbar besonders deutlich heraus gearbeitet. Ich finde immer noch, dass es mehr als zuvor Ähnlichkeiten zu HAMMERS OF MISFORTUNE gibt, aber vielleicht liegt das auch nur an diesem herrlich schnurrenden, warmen Siebziger-Sound, der so sehr nach Manilla Road, Cirith Ungol und Konsorten schmeckt.

5. The Spoils
Katrin: ganz schön kurze Nummer, erinnert mich sehr an mein Lieblings-Slough Feg-Album “Traveller”, was heißt, das ich auch diesen Song mag. :)
Master of Disaster: Irgendwie habe ich jetzt gerade gar nicht richtig gemerkt, dass ein neuer Song angefangen hat… sehr fließender Übergang. Daher gilt hier, was ich schon zu ‘Hardworlder’ sagte.

6. Frankfurt-Hahn Airport Blues
Katrin: Was denen dort wohl widerfahren ist? Klingt auf jeden Fall schön dreckig und schwitzend…
Master of Disaster: Hahaha, sehr geil, hör mal auf den Text… ich schmeiss mich weg!! Und ein schöner kraftvoller, treibender Heavy Rocker, exzellente Nummer! Lockert gerade an dieser Stelle schön auf und sorgt für Abwechslung.

7. Galactic Nomad
Katrin: Und wieder – let the guitars do the talking… wobei mir auch Adrian Maestas am Bass wieder sehr gut gefällt, der war ja auch schon wie Tringali auf dem letzten Album “Atavism”.
Master of Disaster: Ich habe mit “Atavism” immer noch meine Schwierigkeiten. Die Platte klingt für mich so bruchstückhaft, irgendwie unfertig, nicht zu Ende gedacht, nicht straff genug durchkomponiert und arrangiert. Diese mächtigen Spannungsbögen fehlen oftmals. Diese Nummer hier finde ich zwar okay, aber nicht besonders aufregend, eben ein klassisches Heavy Metal-Instrumental, mit Aufbau und Platzierung der Soli aus dem Lehrbuch. Die Mutter dieser Songs ist für mich ‘Mercyless onslaught’ vom Metal Church-Debüt. Trotzdem, SLOUGH FEG könnte ich stundenlang zuhören, wie sie einfach jammen…
Katrin: Stimmt, mit „Atavism“ habe ich auch etwas länger gebraucht. Wo sich bei „Traveller“ gewaltige Spannungsbögen aufbauten, liegt bei „Atavism“ das Schmackhafte oftmals in den kleineren Details…

Man achte auf das Shirt… :)
8. Dearg Doom
Katrin: Kenne zwar das Original nicht, aber schon der Anfang hier ist ja mal dermaßen genial. So ein simples, eingängiges Riff, was durch den ganzen Song groovt, ist mächtig kultig! Martin, wer sind eigentlich Horslips? Bildungslücke meinerseits?
Master of Disaster: Muss man nicht kennen. Das war eine irische Celtic Rock-Band mit ein paar Glam-Einflüssen, die in den Siebzigern auf der Grünen Insel eine große Nummer war. Die haben 1973 mal eine Platte namens “The tain” gemacht, dabei handelte es sich um ein Konzeptalbum über eben den Mythos aus dem Ulster Cycle, aus dem auch der Name THE LORD WEIRD SLOUGH FEG stammt.
Katrin: Hehe, übrigens geiler Text – “Two heads are better than none, one hundred heads are so much better than one”
Master of Disaster: Ist ein guter Song, aber so richtig umhauen tut er mich auf den ersten Hör nicht. Ist mir vielleicht ein bisschen zu einfach…
Katrin: Also hier driften unsere Meinungen erstmals richtig auseinander: Ist für mich einer der grandiosesten Songs des Silberlings, wahrscheinlich gerade aufgrund dieser wirkungsvollen Simplizität. Und jetzt hast du mir sogar die Horslips schmackhaft gemacht…

9. Insomnia
Katrin: Irgendwie klingt das Teil jetzt schon vom ersten Satz an wie ein Klassiker. Obwohl’s diesmal ein brandneues Original von Slough Feg ist. Zunächst ziemlich flott, aber ich mag die Wende ab der Mitte. Und dann das wunderbare “Aaaahahaha…”-Finale von Dan Cilli und Mike Scalzi!
Master of Disaster: Na, mehr LIZZY geht ja wohl nicht!! Und der Mittelteil klingt nach ganz alten Manowar-Sachen, vielleicht kommt daher deine Klassiker-Assoziation!? Für mich wieder ein Glanzstück, diese Nummer. Aber du findest Manowar ja doof, oder wie war das noch? Warst du nicht diejenige, die nach irgendeinem Earthshaker Festival mal meinte, der Manowar-Gitarrist habe dieselbe Frisur wie Katja Ebstein? Mann, hab ich gelacht…
Katrin: Jein… also ja, Manowar sind schon nicht gerade meine Lieblinge, aber ohne sie wär’s auch langweilig, muss mich halt immer wieder über sie aufregen und das ist ganz gut so. :) Nein, weil die Äußerung ursprünglich von Stefan Raab stammt. Manowar waren mal bei diesem Heini zu Gast und Herr Raab sagte dies doch tatsächlich dem ahnungslosen Karl Logan ins Gesicht, haha.

10. Poisoned Treasures
Katrin: Sehr vielseitige Nummer, ein hymnischer Refrain, wahnwitzige Soli und treibende Rhythmusarbeit vom Neuzugang Antoine Reuben-Diavola…
Master of Disaster: Jaaaa, DAS ist ein Klassiker, ein perfekter Song!! Grandiose Breaks und stimmungsvoller Gesang, dynamische Uptempo-Parts, ein perfektes Metal-Quietsch-Solo – so hört sich der Soundtrack zum Metal-Paradies an! Die Nummer war übrigens schon vor einem Jahr auf einer obskuren Split-Single mit Bible Of The Devil zu finden, die bei Threat Records erschienen ist.

11. Karma-Kazee
Katrin: Also MÜSSTE ich einen “schwächsten” Song dieses Albums küren, dann wäre es wohl dieser hier. Anfangs ziemlich doomig, kommt erst spät aus der Soße. Wenn man’s aber von nem anderen Blickwinkel betrachtet, ist das aber ne schön entspannte Nummer…
Master of Disaster: Hmm, also ich finde, die Nummer knüpft an ‘Tiger! Tiger!’ an und ist so etwas wie Epic Battle Metal auf SLOUGH FEG-Manier. Hier ist die Trägheit meiner Meinung nach gewollt, Doomsword, Battleroar, Martiria – die verwenden auch alle dieses Stilmittel. Erfunden haben das wohl Warlord… Muss du aber trotzdem nicht mögen!

12. Whirling Vortex
Katrin: Wieder ein kurzes Gitarreninterludium, diesmal war Tringali feder- und axtführend…
Master of Disaster: Tringali ist mehr Achtziger-Metal, während das Siebziger-Feeling und die Celtic-Sachen von Scalzi kommen. Warum man das als eigenen Song aufführt, ist mir allerdings rätselhaft… normalerweise kommen jetzt das Break und die erste Strophe mit der Hauptmelodie. Doch dieses Teil hier hört einfach auf an der Stelle.

13. Street Jammer
Katrin: Cover Nummer zwei, und wieder muss ich voll Schmach gestehen, nicht einen einzigen Song von Manilla Road zu kennen…
Master of Disaster: Katrin, das ist nun wirklich eine Bildungslücke!! Werde dich bei Gelegenheit mal mit dem Schaffen dieser großen Band vertraut machen. Obwohl ich freimütig einräume, nicht so der ganz und gar enthusiastische Manilla Road-Fan zu sein. Ich habe schon fast alle Scheiben und finde die auch toll, aber keine davon würde zum Beispiel in meinen TOP50-Alltime-Faves auftauchen.
Diese Cover-Version stammt von einem Manilla Road-Tribute-Album namens “The riddle masters”, das vor kurzem bei dem kleinen deutschen True Metal-Label Solemnity Records erschienen ist, die übrigens letztes Jahr einen Cirith Ungol-Tribut am Start hatten. ‘Street Jammer’ ist schon eine ungewöhnliche Wahl, der Track stammt vom Manilla Road-Debüt “Invasion”, das vor nicht allzu langer Zeit als Doppel-CD zusammen mit dem Zweitwerk “Metal” über Cult Metal Classics wiederveröffentlicht wurde.
Katrin: Klingt auf jeden Fall cool, würdiger Abschluss!
Master of Disaster: Sogar besser als das Original in meinen Ohren. Ist aber bestimmt kein Highlight, weder in der Manilla Road-History noch auf dieser Platte hier.

Katrin: Und Martin, wie sieht unser Fazit aus?
Ich bin jedenfalls begeistert! Zeitlos! Ich weiß nicht mal einen Song hervorzuheben, so einprägsam sind alle Tracks. Die Songs an sich sind zwar durchweg kompakt, aber was die Gitarrenarbeit der Jungs angeht, so sind doch etliche Melodien für die Ewigkeit gemacht.
Master of Disaster: “Hardworlder” erreicht zwar nicht ganz die Entschlossenheit und Dynamik des Überwerks “Traveller”, doch schlägt “Atavism” um Längen. Eine wirklich tolle Scheibe, die unheimlich viel Spaß macht, und die ich bestimmt noch sehr oft hören werde. Beide Daumen hoch für Mike Scalzi und SLOUGH FEG!!
Katrin: Da muss ich dir Recht geben: Das Sci-Fi-Konzeptepos „Traveller“ bleibt auch von „Hardworlder“ unerreicht, schließlich habe ich das 2003er schon seit über einem Jahr regelmäßig im Player und es will sich einfach nicht abnutzen. Trotzdem kann hier eine ganz klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden! Oder hört zumindest erstmal rein, bevor ihr dieses gute Stück zeitloser Gitarrenmusik euer Eigen nennt, denn das Geile an der Cruz del Sur-Politik (das Label von Slough Feg) ist, dass man etliche Alben in voller Länge kostenlos vorab anhören kann. Nennt sich “Try before buy”, also nichts wie “Hardworlder” angehört, indem ihr dem folgenden Links auflauert: http://www.cruzdelsurmusic.com/hw/prev_hardworlder.htm

Bald gibt’s hier übrigens noch ein Interview mit Slough Feg-Chef Mike Scalzi!
Erscheinungspflicht für die liebe Leserschaft!

1 Kommentar

  1. [...] Vor ein paar Wochen machten Katrin und Martin bereits auf SLOUGH FEGs aktuelle Scheibe “Hardwo… und kamen zu einem einstimmigen Ergebnis: True fuckin’ Gitarrenrock mit fetter 70er-Schlagseite! Crunchy, groovy und simpel. Nun gesellt sich noch einer mehr zur Runde: Slough Feg-Cheffe Mike Scalzi entpuppt sich in diesem Interview nicht nur als echter Hardworlder, sondern auch als begabter Geschichtenschreiber und Star Wars-Liebhaber… [...]

    #1516

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