Mit Steve Ramsey durch die Skyclad-Diskographie
Inspiriert durch unseren “Skyclad goes Dong”-Beitrag möchte ich euch dieses kleine Schmankerl hier nicht vorenthalten. Vor einiger Zeit einmal habe ich ein Interview mit Steve Ramsey gemacht und ihn im Anschluss daran gebeten, mit mir doch mal einen Rückblick auf die SKYCLAD-Historie zu versuchen. Hier also Steves und meine Kommentare zu den alten SKYCLAD-Alben bis “Folkemon”.
Wayward sons of mother earth (1991)
M.o.D.: Das Debüt von SKYCLAD, recht kurz nach dem SABBAT-Split, sehr heavy und düster, im Grunde an den SABBAT-Sound anknüpfend. Besonders geil: die Bandhymne ‘Skyclad’.
Steve: Ja, in der Tat, das Album war ein Baby von Martin und mir und sehr stark beeinflusst von SABBAT und PARIAH. Viel mehr gibt’s zu der Platte nicht zu sagen…
Burnt offering for the bone idol (1992)

M.o.D.: Extrem geile Scheibe, Speed-/Thrash-Metal mit viel Klasse, enthält unsterbliche Hits wie ‘Spinning Jenny’, ‘Man of straw’ oder ‘Declaration of indifference’, immer noch eines meiner Lieblings-SKYCLAD-Alben !
Steve: Ich mag dieses Album auch sehr. Aus dem Walkyier/Ramsey-Projekt SKYCLAD war inzwischen eine richtige Band geworden, wir hatten damals unser erstes stabiles Line-Up am Start mit Violinistin Fritha Jenkins und Dave Pugh als zweiten Gitarristen. Wir fingen zur jener Zeit an, unseren typischen SKYCLAD-Sound zu entwickeln.
Tracks from the wilderness (1992)
M.o.D.: Eine Mini-CD mit dem sehr starken THIN LIZZY-Cover ‘Emerald’, zwei neuen Songs und drei Live-Tracks aufgenommen beim Dynamo-Festival. Legendär sind Martins megacoole Gespräche mit den Fans… “Wieviel Leute aus Deutschland sind heute hier ?” Riesenjubel, darauf ein erstaunter Martin: “Ooohh, geil !!!”
Steve: Wir wollten eigentlich eine Single veröffentlichen, aber Singles von Metal-Bands verkaufen sich in der Regel ungefähr so gut wie Sonnenbänke in der Sahara. Daher haben wir uns zu diesem Mini-Album entschlossen. Ich kann mich noch erinnern, dass wir wahnsinnig viel Spaß mit LIZZY-Gitarrist Brian Robertson hatten, der zu uns nach Newcastle gekommen war, um das ‘Emerald’-Solo einzuspielen. Der Typ hat uns doch tatsächlich alle unter den Tisch getrunken, haha ! Und als er während des Dynamo-Auftritts als Gast zu uns auf die Bühne kann, hatte er sich zuvor allerdings wohl selbst unter den Tisch getrunken…
M.o.D.: Bärenstarkes Album mit intelligenten Hammer-Songs wie ‘Thinking allowed’, ‘Cry of the land’, ‘Earth mother, sun and the furious host’ und ‘The ilk of human blindness’….
Steve: Komischerweise ist “Jonah’s Ark” wohl das SKYCLAD-Album, das mir persönlich am wenigsten gefällt, aber anscheinend sehen das eine Menge Leute ganz anders. Ich war nie so ganz glücklich mit einigen der Songs, nein, gar nicht mal mit den Songs selbst, sondern vielmehr mit den Arrangements, der Art und Weise, wie die Stücke rübergebracht wurden. Wir haben damals mit verschiedenen Einflüssen herumexperimentiert, einiges hat gut funktioniert, anderes meiner Meinung nach halt weniger gut. Aber okay, das ist pure Geschmacksache und wir spielen live auch immer noch Tracks von diesem Album. Für Fritha war es ein sehr anstrengendes Album, da sie während der Aufnahmen hochschwanger war.
Prince of the poverty line (1994)

M.o.D.: Auch einer meiner Favoriten, besonders ‘Civil war dance’, ‘Sins of emission’, ‘Land of the rising slum’ und ‘A bellyful of emptiness’ sind megageniale Songs. Fritha hatte die Band verlassen und war durch Cath Howell ersetzt worden.
Steve: Ja, bei diesem Album waren all unsere Experimente sehr erfolgreich, hahaha! Eigentlich war Fritha die bessere Violinistin, aber Cath hatte auch Keyboard gespielt und dadurch noch einige Feinheiten hinzugefügt. Die Songs sind sehr verschieden und doch funktionieren sie alle hervorragend und klingen ganz deutlich nach SKYCLAD.“
The silent whales of lunar sea (1995)

M.o.D.:Fand ich damals nicht ganz so stark, meiner Meinung nach hat Euer Songwriting ein wenig geschwächelt. Der CD-Einstand von George Biddle…
Steve: 1993 war ein eigenartiges Jahr für uns. Keith (Baxter, Drums) bekam mehrere, finanziell zum Teil sehr reizvolle Angebote von anderen Bands und schließlich ist er zu 3 COLOURS RED gewechselt. Cath hat uns kurz vor Beginn der Aufnahmen verlassen, Georgina fanden wir erst im allerletzten Moment, so dass ihr Einfluss aufs Songwriting sehr gering war. Wenig später ist auch Dave ausgestiegen. Ich denke, es sind schon einige gute Songs auf dem Album, bei den Aufnahmen haben wir allerdings Fehler gemacht, die Tracks klangen hinterher live deutlich besser als auf der Platte.
M.o.D.: Mein SKYCLAD-Lieblingsalbum! Ich liebe Songs wie ‘Inequality street’, ‘Penny dreadful’, ‘History lessens’ oder ‘No deposit, no return’.
Steve: Dieses Album war so eine Art Wendepunkt in unserer Karriere, ist quasi der Beginn der heutigen SKYCLAD. Die Folk-Einflüsse traten stärker hervor, ganz besonders Georgina hat dem Album ihren Stempel aufgedrückt, sie ist einfach eine brillante Musikerin. Wir haben mehr mit Harmony-Vocals gearbeitet, was Martin zuvor immer wieder abgelehnt hatte. Das Album wurde mit einem Session-Drummer aufgenommen, irgendwie ging alles sehr überlegt und geregelt zu beim Songwriting und bei den Recordings.
Qui avant-garde a chance (1996)

M.o.D.: Sehr interessantes, innovatives Album, recht untypisch für SKYCLAD, viele haben die Platte wohl nicht wirklich verstanden, ziemlich ruhig und nachdenklich, mit viel Atmosphäre. Highlights: ‘If I die laughing, it will be an act of god’, ‘Great blow for a day job’, ‘Bombjour!’ und das tolle Cover ‘Come on, Eileen’.
Steve: Eigentlich wollten wir lediglich eine Single mit ‘Come on, Eileen’ aufnehmen. Das Ganze ist dann ein akustisches Mini-Album geworden und schliesslich wurde doch noch ein vollständiges Album draus gemacht. Stilistisch ein eigenartiger Mischmasch ohne eine klare Linie und Ausrichtung. Wir haben mit mehreren Unterbrechung in verschiedenen Studios aufgenommen mit zwei verschiedenen Schlagzeugern. Eine sehr experimentelle Platte, die ich gar nicht als vollwertiges SKYCLAD-Album bezeichnen würde. Manche Leute haben damals gedacht, wir müssten entweder verweichlichte Hippies geworden sein oder total bescheuert, hahaha! Sie haben halt nicht mit so einer Platte gerechnet.
M.o.D.: Ein eigenartiges Album, hätte ich so nach “Irrational anthems” nicht erwartet. Die Songs blieben nicht so gut im Ohr hängen, waren etwas sperrig. Gleichzeitig nahm der Folk-Anteil noch einmal stark zu. Ach ja, mit ‘Building a ruin’ war doch ein echter Hit drauf…
Steve: Ah, dies ist eines meiner Lieblingsalben, vielleicht sogar mein Topfavorit! Es ist tatsächlich recht komplex und folklastig, wir haben viele verschiedene Instrumente eingesetzt. Vielleicht ist es mehr ein Musiker-Album als ein Hörer-Album, hahaha. Wir haben mit verschiedenen Session-Musikern zusammengearbeitet und die Aufnahmen haben eine Menge Spass gemacht.
M.o.D.: Irgendwie eine “back to the roots”-Platte, scheint mir. Wieder deutlich metallischer, kompositorisch nicht unbedingt das Beste, was ihr je abgeliefert habt, aber dennoch ein cooles Album. Man konnte den Eindruck gewinnen, ihr versuchtet Euch neu zu orientieren in jener Zeit.
Steve: Weil die Presse und einige Fans uns vorgeworfen hatte, wir seien zu soft geworden, wollten wir mit einem heavy Folk-Metal-Album zurückkommen. Vielleicht fehlt der Scheibe so eine bisschen der letzte Schliff, die Finesse, die Innovation. Endlich waren wir wieder ein vollständige Band mit Jay Graham als Drummer und Kevin Ridley an der Gitarre.
M.o.D.: Weltklasse! Die beste SKYCLAD-Scheibe seit “Irrational anthems” ! Heavy, melodisch, intelligent, witzig, einfach charmant und cool ! Das Opening-Quartett ‘The great brain robbery’, ‘Think back and lie of England’, ‘Polkageist’ und ‘Crux of the message’ ist einfach ganz groß, egal ob man jetzt mit dem Kopfhörer auf den Ohren vor der Anlage sitzt und konzentriert zuhört oder Stimmung in eine Party bringen will. Und der Preis für den Songtitel des Jahres geht an ‘…when God logs off’.
Steve: Ich denke, Du hast völlig recht, mit “Folkemon” ist uns wieder ein echtes Highlight gelungen. Im Grunde bin ich froh, dass es nach einem richtig guten Album zum Split gekommen ist und nicht nach einem durchschnittlichen, wo es dann so aussieht als ob die Band ihr kreatives Pulver verschossen hat und auseinander bricht. Wir haben versucht, einen Mix aus den alten und den neuen SKYCLAD zu schaffen, sprich das Beste aus der Zeit vor und der Zeit nach “Irrational anthems”. Die Bandchemie stimmte einfach und wir sind noch immer sehr zufrieden mit der Scheibe.







































