Orphaned Land – Jenseits von Schwarz und Weiß
Interview mit Gitarrist Yossi Sa'aron (Juni 2007)
Orphaned Land kämpfen gegen Parolen wie “Weiß gegen Schwarz”, “Gott gegen Satan”. Darüber hinaus versucht ihr, eure Friedensbotschaft fernab der Politik zu vermitteln. Habt ihr keine Befürchtungen, dass sich viele Leute gerade aufgrund eurer religiösen und humanistischen Motive weder mit der Musik Orphaned Lands beschäftigen, geschweige denn sie verstehen wollen?
Yossi: Egal was kommt: Wir waren und werden nie eine kommerzielle Band sein. Dies ist auch mitunter ein Grund, weshalb wir mit dem, was wir tun, derart im Reinen sind, auch selbst dann, wenn wir uns mit der Vereinigung der drei monotheistichen Religionen beschäftigen sowie die Notwendigkeit von Frieden und Toleranz unter den Leuten verbreiten! Es ist letztlich jedermanns Entscheidung, ob man sich mit diesen Ansichten identifiziert oder es sein lässt – aufgrund dessen haben wir auch keine „Angst“ vor dem, was wir machen und woran wir glauben.
Ihr strebt fortwährend nach Akzeptanz gegenüber Leuten, ganz gleich welchen Glauben sie auch praktizieren. Fühlt es sich nicht manchmal selbst für eine derart ungemein tolerante Band wie Orphaned Land schwierig an trotz allem nicht vom Weg abzukommen? Oder ist es deiner Meinung nach notwendig sowie unabdinglich gerade den Menschen, die sehr kritisch und mit etlichen Vorurteilen behaftet sind, besonders neutral zu begegnen, da sich nur so eine Art “Belohnung” erlangt werden kann?
Yossi: Wir suchen und lieben die Kommunikation mit Menschen und unterschiedliche Ansichten beängstigen uns nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil – wir begrüßen gerade jene! Ich habe festgestellt, dass überraschenderweise gerade aus unterschiedlichen Ansichten und Konflikten wahres Verständnis entsteht. Und oftmals finden wir unsere besten Unterstützer in Wesen die unsere Botschaften zu Beginn überhaupt nicht oder nur geringfügig nachvollziehen konnten.
Auch wenn die meisten Metalhörer deutlich eher Antireligiös eingestellt sind und damit einhergehend nicht an Gott glauben, sei es nun aufgrund von Gruppenzwang oder aus benachbarten Gründen, so verhalten sie sich auf Konzerten dennoch wie auf religiösen Feiern und verschmelzen zu einer Gemeinschaft, welche vollends selbstverständlich ist und die gar nicht erst in Frage gestellt wird. Damit einhergehend scheint vor allem in der Musik eine ganz besondere Kraft zu stecken. Ist dies einer der Gründe, weshalb du einst mit dem Musikmachen begonnen hast? Darüber hinaus – inwiefern würdet ihr gerne als eine religiöse Band angesehen werden und inwieweit seid ihr es in deinen Augen tatsächlich?
Yossi: Die signifikanten musikalischen wie auch lyrischen Fragmente in den Ergüssen von Orphaned Land sind stark von religiösen Quellen beeinflusst. Dies liegt selbstredend nicht zuletzt an der Tatsache, dass wir alle sehr religiös erzogen wurden. Orphaned Land ermöglicht sowohl eine Brücke zwischen dem Osten und Westen, der Vergangenheit und Gegenwart, aber auch eine zwischen den verschiedenen Religionen. Demzufolge würde ich nicht sagen, dass wir eine religiöse Band sind. Allerdings gibt uns der Glaube zweifelsfrei Kraft und entfaltet sich mannigfach in unseren Kompositionen.
Sowohl die Musik als auch die Lyrics von Orphaned Land sprengen jede Grenze, was wohl nicht zuletzt an ihrer Ambivalenz liegt und womit ihr auf diesem Wege gleichsam eine Art Sieg über den Fanatismus erringt. Zudem seid ihr ohnehin in vielerlei Hinsicht eher „non-metal“ und fixiert euch nicht auf ein festes Schema, sondern seid vielmehr darum bemüht, euch als Künstler, beständig auf das alltägliche Leben reflektierend, zu entfalten. Nachdem ihr mittlerweile in über 30 Ländern auf vier Kontinenten Gigs absolviert habt – welche nachhaltigen Erfahrungen habt ihr auf der Tour sammeln können?
Yossi: Wir sind einfach nur ganz normale Leute und obwohl wir alle unsere Wurzeln in den verschiedenen Metal-Genres innewohnen haben, stehen wir nichtsdestotrotz vielen unterschiedlichen Musikrichtungen und Kulturen offen gegenüber. Auf unseren Touren hatten wir jedenfalls ungemein großartige Erfahrungen. Manchmal fühlten wir uns gar wie musikalische Anthropologen. An manches wie beispielsweise das Unterwegssein, Tagelang keine Dusche nehmen zu können etc, gewöhnt man sich auch einfach und nimmt es gerne in Kauf. Für uns ist es immer ein besonderes Vergnügen, neue Sprachen, neues Essen und neue Vibes zu entdecken. Es ist einfach ein fantastisches Abenteuer, rund um den Globus zu reisen und überall an jedem Ort zu beobachten, welche Empfindungen der Sound von Orphaned Land auszulösen vermag.
Wie hast du das Zusammenspiel von Politik und Religion auf diesen Reisen erlebt? Was hat alle Geschöpfe trotz der zahlreichen Unterschiede letzten Endes dennoch miteinander verbunden und was hat dich indes am meisten überrascht?
Yossi: Ehrlich gesagt haben wir uns den Großteil der Zeit mit Musik auseinandergesetzt. Irgendwie sind wir gesegnet in einem Genre spielen zu können, welches generell gesehen dermaßen vielen religiösen Extrema offen gegenübersteht (vom Black Metal/Satanismus bis hin zu “weißen” Metal Bands, dem Glauben Orphaned Lands etc.). Wir hatten zwar durchaus von Zeit zu Zeit politisch betrachtet mit einigen Hindernissen zu kämpfen, allerdings waren sie letzthin doch relativ bedeutungslos verglichen zu den herzlichen Begrüßungen und der enormen Wärme, die wir auf unserer Tour erhielten!
Euer neues Werk “The Never Ending Way Of ORwarriOR” soll noch zum Jahresende hin erscheinen. Sofern eine Antwort zu dem jetzigen Zeitpunkt überhaupt schon möglich ist – Worauf legt ihr hierbei euer Hauptaugenmerk und auf welche Unterschiede sollte sich der Hörer im Vergleich zu „Mabool“ oder euren früheren Scheiben einstellen?
Yossi: Die Arbeit am Album ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Es hat noch einen langen Weg vor sich, obgleich die meisten Kompositionen bereits fertig gestellt sind. Mit den bisherigen Ergebnissen bin ich allerdings sehr zufrieden. Bereits von den ersten Akkorden an, die ich vorbereitet habe, konnten die restlichen Bandmitglieder den “Wechsel” deutlich spüren. Auf diesem Silberling werden eine Menge traditioneller Orphaned Land-Elemente auffindbar sein wie beispielsweise die Verwendung von Instrumenten aus dem Mittleren Osten und natürlich unzähligen Metal-Riffs. So lässt sich auch nun schon vorhersagen, dass “The Never Ending Way Of ORwarriOR” in vielen Parts sehr melodiös wird. Demgegenüber wird man jedoch ebenso einige Songs antreffen, die ziemlich “heavy” und mit kraftvollen Riffs angereichert sind. Wartet es einfach ab und hört euch das Ergebnis an
!
Werden die Dong-Besucher auch in den Genuss neuer Songs kommen? Und warum sollte man euren Auftritt am Freitag auf dem Dong Open Air auf gar keinen Fall versäumen?
Yossi: Ich bin mir nicht sicher, ob wir beim Dong schon so weit sind die neuen Stücke vorzustellen. Vielleicht können wir ein wenig von dem neuen Material beim Soundcheck oder zwischen dem regulären Set zum Besten geben, aber wohl eher nicht die kompletten Songs. Warum man uns nicht verpassen sollte? Nun, wer Orphaned Land kennt, der weiß die Antwort darauf! Hoffe ich zumindest
. Und wer uns bislang noch nicht kennt, tja, für den wird es mit Sicherheit eine interessante Erfahrung sein, uns Veteranen aus dem Mittleren Osten dabei zuzuhören, wie wir eine einzigartige Melange aus Folk, Metal aus dem Mittleren Osten sowie den unterschiedlichsten Metal-Styles herstellen!
Links:
Offizielle Orphaned Land-Bandseite
Orphaned Land @ MySpace



















Yossi: Egal was kommt: Wir waren und werden nie eine kommerzielle Band sein. Dies ist auch mitunter ein Grund, weshalb wir mit dem, was wir tun, derart im Reinen sind, auch selbst dann, wenn wir uns mit der Vereinigung der drei monotheistichen Religionen beschäftigen sowie die Notwendigkeit von Frieden und Toleranz unter den Leuten verbreiten! Es ist letztlich jedermanns Entscheidung, ob man sich mit diesen Ansichten identifiziert oder es sein lässt – aufgrund dessen haben wir auch keine „Angst“ vor dem, was wir machen und woran wir glauben.
Yossi: Wir sind einfach nur ganz normale Leute und obwohl wir alle unsere Wurzeln in den verschiedenen Metal-Genres innewohnen haben, stehen wir nichtsdestotrotz vielen unterschiedlichen Musikrichtungen und Kulturen offen gegenüber. Auf unseren Touren hatten wir jedenfalls ungemein großartige Erfahrungen. Manchmal fühlten wir uns gar wie musikalische Anthropologen. An manches wie beispielsweise das Unterwegssein, Tagelang keine Dusche nehmen zu können etc, gewöhnt man sich auch einfach und nimmt es gerne in Kauf. Für uns ist es immer ein besonderes Vergnügen, neue Sprachen, neues Essen und neue Vibes zu entdecken. Es ist einfach ein fantastisches Abenteuer, rund um den Globus zu reisen und überall an jedem Ort zu beobachten, welche Empfindungen der Sound von Orphaned Land auszulösen vermag.
















