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„1.Mai – Helden bei der Arbeit“ | Episode 3: „Ausflug“

29. April 2008

Pelle und Jacob aus Minden/Westfalen: Zunächst 2 Krawalltouristen auf dem Weg nach Berlin, im Verlauf des Episodenfilmes „1.Mai – Helden bei der Arbeit“ zu 1,5 Halbstarken und 1,0 Vollidioten mutierend. Von allen drei Episoden, die am 1. Mai 2006 von drei voneinander unabhängig agierenden Teams abgedreht wurden, ist diese wohl die intensivste.

1.Mai - Pelle und JacobDie Geschichte kommt auf den Gleisen in Hauptstadt zunächst recht langsam ins Rollen, Pelle schenkt Jacob einen Kampfanzug – aus dem Online-Versand. Aus gutbürgerlichem Hause kommend leiden diese beiden wie so viele Jugendliche schlichtweg an Langerweile. Folglich zieht es die Burschen zur Maidemonstration nur des Remmi-Demmis wegen. Ein bisschen Saufen, ein bisschen Drogen… und vornweg noch ein Besuch in der Kunstgalerie, bei welchem man ein wenig interessiert dreinschaut. Das Straßenfest an sich entpuppt sich für Pelle und Jacob als langweiliger Festumzug, von wegen schwarzer Block, brennende Streifenwagen und Barrikaden. Man entscheidet sich, den Laden selbst ein wenig aufzumischen…

…und steckt prompt drin im Geschehen. Die Gesamtstimmung spannt sich immer weiter an, vor allem Jacob ist gereizt, und außerdem noch seinen Ausweis los. Der Faden reißt: Eine Schlägerei, Schüsse eines vermeintlichen Museumsstückes… Pelle kneift, Jacob meint es ernst. Die beiden Kumpel auf getrennten Wegen!?

Trotz überraschender Wendungen endet es letztlich dort, wo bereits die Episoden „Yavuz“ und „Uwe“ ihren Ausgang fanden: Im Kreuzberger Urban Krankenhaus…

1.Mai – Kinotrailer

„1. Mai – Helden der Arbeit“ ist ein geglücktes Film-Experiment Made in Germany. Zwar entstanden alle drei Episoden, deren Szenen sich stets cliffhanger-mäßig abwechseln, weitestgehend unabhängig voneinander, doch sind die Übergänge und Anteile der Stories wirklich gelungen und nahtlos. Hier und da gibt es ein paar verbindende Elemente wie türkische Musik und Straßenbeats oder eben Randfiguren, die in mehreren Episoden eine Rolle spielen. Auch wurden gemeinsame Regeln aufgestellt:

1. Alle Geschichten spielen in denselben 24 Stunden, vom Morgen des 1.Mai bis zum Morgen des 2. Mai.
2. Jede Geschichte ist 20-30 Minuten lang.
3. Jede Geschichte muss 5-8 Minuten tagsüber in Außensets in Kreuzberg am 1. Mai spielen. Jedes Team muss diese essentiellen Bilder während des tatsächlichen Demonstrationstags am 1. Mai 2006 in Kreuzberg – mitten im Geschehen, ohne Abschottung und ohne Drehgenehmigung– inszenieren. Dazu ist nur ein kleines Team erlaubt, bestehend aus Regisseur, Kameramann, Schauspielern, Tonmann und Aufnahmeleiter.
4. Jede Geschichte weist mindestens fünf mögliche Cliffhanger Szenen auf. Die Geschichten folgen dem realen Zeitablauf des Tages, d.h. sie werden nicht nacheinander sondern parallel montiert.
5. Alle Geschichten enden morgens, am 2. Mai in der Notaufnahme des Urban Krankenhaus in Kreuzberg.

Inhaltlich gab es neben diesen formalen Regeln nur eine einzige Vorgabe: Jede Geschichte muss von einem Protagonisten handeln, der unter großem persönlichem Druck steht. Jede Figur erhofft sich vom 1. Mai eine Art Ventil für diesen Druck, einen Ausweg aus der eigenen Situation. Und jeder einzelne der Protagonisten wird am Ende in seinen Erwartungen enttäuscht und etwas völlig Neues für sich selbst erfahren.

Nicht nur die Schauspieler glänzen in ihren Rollen, die Rollen glänzen auch an sich. Hier stehen klar die Charaktere im Vordergrund, keine politischen Handlungen oder historischen Aufarbeitungen. Es ist interessant zu beobachten, was die einzelnen Figuren aus diesem Tag machen, den sie lediglich als Anlass nutzen, sich selbst zu ändern. Ab morgen kann der Interessierte den Film in den deutschen Kinos sehen.

http://www.erstermai-derfilm.de

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